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5. Juli 2014

Ernst Haefliger zum 95. Geburtstag



Ernst Haefliger im Oktober 2004 in seiner Wiener Wohnung bei unserem Gespräch für die Buch- und DVD-Dokumentation "Karl Richter in München"

Am 6. Juli 2014 wäre der in Davos (Schweiz) geborene Tenor 
Ernst Haefliger 95 Jahre alt geworden. In Erinnerung bleiben bis heute seine Interpretationen des Evangelisten in Bachs Passionen, vor allem in den Aufführungen des Münchener Bach-Chores unter Karl Richter.

Ernst Haefliger wurde am 6. Juli 1919 in Davos geboren. Eigentlich wollte er Musiklehrer werden und studierte am Konservatorium in Zürich Geige. Doch sein Singtalent wurde schnell erkannt. Er nahm Gesangsunterricht bei Julius Patzak in Wien und Fernando Carpi in Prag. Als 24-Jähriger debütierte er in Zürich als Evangelist in Bachs Johannespassion.

Als Opernsänger war Haefliger von 1943 bis 1952 Ensemblemitglied am Opernhaus Zürich. Danach war er bis 1972 erster lyrischer Tenor an der Deutschen Oper Berlin. In dieser Zeit sang er alle Tenorpartien von Mozarts Opern und nahm unter der Leitung von Ferenc Fricsay unter anderem Beethovens "Fidelio" auf. Darüber hinaus war der Tenor ständig Gast großer Festspiele, etwa in Luzern, Salzburg und Glyndebourne.

Über seinen ersten Kontakt mit Karl Richter erzählte uns Ernst Haefliger am 16. Oktober 2004 in seinem Haus in Wien u.a.:

...Ja, das war durch einen gemeinsamen Freund, den Oboisten Edgar Shann, der damals in Lütri wohnte. Der hat mir Karl Richter vorgestellt. Eine Zeit lang ereignete sich nichts, und dann hat er mich engagiert. Ab und zu kam er dann auch öfter nach Davos. Ich kann mich noch gut erinnern, das war einmal ein wunderbarer August, eine schöne Augustnacht und wir saßen da mit sehr gutem Rotwein auf der Terrasse, und er hat immer wieder gefragt: „Soll ich oder soll ich nicht?" Ich wusste nicht, was er wollte, und endlich hat er gesagt, dass er eigentlich eine Anfrage von der Deutschen Grammophon Gesellschaft hätte. Aber er hatte schon bei der Teldec aufgenommen, und da konnte er sich nicht entschließen. Wahrscheinlich war er aber schon entschlossen. Er hat dann einen guten Vertrag mit der Deutschen Grammophon abeschlossen.

Im Juli 1958 begann dann Ernst Haefligers Zusammenarbeit mit Karl Richter in der auch heute noch Maßstab setzenden Schallplattenaufnahme von Bachs Matthäus-Passion für die Archiv-Produktion der Deutschen Grammophon Gesellschaft.



In den beiden darauffolgenden Jahrzehnten war Ernst Haefliger Richters wichtigster Protagonist im Tenorfach, sowohl in den Münchner Konzerten wie auch bei der Ansbacher Bachwoche und auf den zahlreichen Konzertreisen, beispielsweise in Japan 1969.



Ernst Haefliger bei der Bachwoche Ansbach 1961



Ernst Haefliger und Karl Richter in Paris 1963

Eine besondere Vorliebe entwickelten die Japaner für den Schweizer Tenor. Für die Hingabe bedankte sich Haefliger mit Aufnahmen romantischer japanischer Lieder, die extra für ihn ins Deutsche übersetzt worden waren.



In der SZ schrieb der Kritiker Karl Schumann anlässlich der Aufführung von Bachs Johannes-Passion beim Münchener Bach-Fest 1969 u. a.:

"Gelegentlich wird davon geredet, dass es vielleicht an der Zeit sei, an einen Nachfolger für den Oratorientenor Ernst Haefliger zu denken, wird Richters klassischer Evangelist doch demnächst ein Fünfiger. Ermutigende Kunde: Der Nachfolger ist gefunden. Er heißt Ernst Haefliger. Der Sensitivissimus unter den Tenören steht in einer neuen vokalen Blüte. Was er an Schlichtheit des Singens, an korrekter Atemführung und an unmanirierter Diktion leistete, macht ihn zu einem Bach-Tenor von höchstem Rang. Seine Verbindung von weichem Timbre, Intellegenz und Empfinden war das vokale Zentrum der Aufführung..."

Bis 1990 wirkte Haefliger dann als Professor für Gesang an der Hochschule für Musik in München. Neben seiner Tätigkeit als Lehrer veröffentlichte er auch das Buch "Die Singstimme".

Seinen Namen trägt der erste Schweizer Gesangswettbewerb für junge Opernsängerinnen und -sänger von internationalem Format. Der "Concours Ernst Haefliger" fand im August 2006 in Bern und in Gstaad zum ersten Mal statt. (APA/sda)

Ernst Haefliger ist am 17. März 2007 in Davos gestorben.

Einen Ausschnit aus dem Interview mit Ernst Haefliger gibt es hier...

7. März 2014

Der Tenor Horst Laubenthal wird 75

Herzlichen Glückwunsch zum Geburtstag!




Horst Laubenthal im September 1969 bei den Filmaufnahmen zu Bachs Messe h-moll in der Klosterkirche zu Dießen am Ammersee

Am 8. März 1939 wurde Horst Laubenthal in Eisfeld/Thüringen geboren. Am morgigen Samstag feiert er in Pöcking am Starnberger See seinen 75. Geburtstag.

In unserer Buch-Dokumentation „Karl Richter in München - Zeitzeugen erinnern sich" erzählt Horst Laubenthal von seinen ersten Kontakten zu Karl Richter.
Schon während meiner Studienzeit, ich habe in München an der Musikhochschule studiert, war ich in fast allen Konzerten von Karl Richter, weil es mich interessiert hat, denn Bach hat mich immer interessiert. Abgesehen davon kam ich aus einer Familie, in der sehr viel Bach musiziert wurde. Und schon als Student hatte ich vor, möglichst schnell mit Richter musizieren zu können, was mir dann auch gelang.

Ich erinnere mich noch an das erste Vorsingen. Da wurde ich in die Hochschule bestellt. Ich weiß nicht, wer mich da hin vermittelt hat, ob das Hanno Blaschke war oder irgend einer, der mich kannte. Ich hatte die meisten Sachen noch gar nicht gesungen, nur die Matthäus-Passion, noch keine Johannes-Passion. Wir haben zwei oder drei Rezitative aus der Matthäus-Passion gemacht und die große Stelle: Und ging hinaus und weinete bitterlich. Dann fragte er: „Haben Sie da Zeit oder da Zeit", und so habe ich durch das kleine Vorsingen gleich mehrere Konzerte bekommen, als erstes einen Kantatenabend in der Markuskirche am Totensonntag 1968, und ich war sehr froh, schon so früh mit Karl Richter zusammen musizieren zu dürfen. Aber ich hatte ihn auch jahrelang wirklich beobachtet, um seinen Stil in mich aufzunehmen.



Am 24. November 1968, dem Totensonntag, sang Horst Laubenthal erstmals in einem Kantatenabend in der Markuskirche. Auf dem Programm standen die Kantaten BWV 140 (Wachet auf, ruft uns die Stimme), BWV 180 (Schmücke dich, o liebe Seele) und BWV 106 (Gottes Zeit ist die allerbeste Zeit - Actus tragicus).

Karl Schuman schrieb über Horst Laubenthals Debüt bei Karl Richter in der SZ:





Detaillierte Informationen zur Vita von Horst Laubenthal findet man bei
Bach-Cantatas
Wikipedia
Tamino-Klassikforum





Das gesamte Interview findet sich in der Buch-Dokumentation "Karl Richter in München - Zeitzeugen erinnern sich" und ist in deutscher Sprache sowie der englischen Übersetzung auf dem Karl Richter-Archiv abrufbar.

Das komplette Interview in Bild und Ton, aus dem dieser Videoclip stammt, gibt es auf DVD.

4. Oktober 2012

Claes H. Ahnsjö erinnert sich an Karl Richter

Zeitzeugen der Ära Karl Richter im Interview

Claes H. Ahnsjö auf Wikipedia (deutsch)
Claes H. Ahnsjö auf Wikipedia (englisch)



Claes H. Ahnsjö beim Interview am 22. Mai 1004 in München

Claes H. Ahnsjö über seinen ersten Kontakt zu Karl Richter

...Ich kam im September 1973 fest an die Oper nach München , war aber vorher bei den Salzburger Festspielen schon da gewesen. Im Juni 1973 war ich zu Proben hier, und da wurde ein Treffen mit Professor Richter arrangiert. Ich bin zur Hochschule gegangen, wahnsinnig nervös und aufgeregt, weil ich wusste, wer diese unglaubliche Persönlichkeit war. Ich kam hin, und er sah nicht so ganz lustig aus, aber er hat mich dann zu einem Klavierzimmer geführt und gefragt: „Was haben Sie für Musik dabei?“ Da habe ich geantwortet: "h-moll-Messe, Schöpfung, Johannes-Passion." Er sagte: "Ja, Johannes-Passion ist gut." Vorher hatte man mir gesagt, dass Professor Richter wenig Zeit hätte, ich sollte mich darauf konzentrieren, ein paar Rezitative und eine Arie zu singen. Gut, ich fing an, das erste Rezitativ, der erste Teil und dann weiter und weiter. Dann geschah irgend etwas so nach einer Viertelstunde. Er brach ab und sagte: "Wissen Sie, wenn Sie hier früher atmen und dann durchhalten, dann schauen wir, was passiert, und dann machen wir es noch einmal. Ich habe das so gemacht, und dann hörte er zu spielen auf, schaute mich an und sagte: "Ja, mein Lieber, so geht das auch."

Das  ganze Interview in deutsch auf PDF
Das ganze Interview in englisch auf PDF

Das komplette Interview gibt es auch auf DVD... 

Ausführliche Ausführliche Informationen zu allen lieferbaren Büchern und DVDs finden Sie hier... 

Einen Überblick über alle Zeitzeugen-Interviews gibt es hier...

1. August 2012

Claes H. Ahnsjoe wird 70

Herzlichen Glückwunsch zum heutigen Geburtstag




Der schwedische Sänger Claes H. Ahnsjoe, geb. am 1. August 1942 in Stockholm, feiert heute seinen 70. Geburtstag. In den Jahren 1973-1981 war er Karl Richters wichtigster Tenor, vor allem in den Oratorien Bachs und Haydns sowie in den Passionen und der Hohen Messe J.S.Bachs.


Claes H. Ahnsjoe erinnert sich an den Beginn seiner Zusammenarbeit mit Richter:

...Ich kam im September 1973 fest an die Oper nach München , war aber vorher bei den Festspielen schon da gewesen. Im Juni 1973 war ich zu Proben hier, und da wurde ein Treffen mit Professor Richter arrangiert. Ich bin zur Hochschule gegangen, wahnsinnig nervös und aufgeregt, weil ich wusste, wer diese unglaubliche Persönlichkeit war. Ich kam hin, und er sah nicht so ganz lustig aus, aber er hat mich dann zu einem Klavierzimmer geführt und gefragt: „Was haben Sie für Musik dabei?“ Da habe ich geantwortet: "h-moll Messe, Die Schöpfung, Johannes-Passion." Er sagte: "Ja, Johannes-Passion ist gut."


Vorher hatte man mir gesagt, dass Professor Richter wenig Zeit hätte, ich sollte mich darauf 
konzentrieren, ein paar Rezitative und eine Arie zu singen. Gut, ich fing an, das erste Rezitativ, der erste Teil und dann weiter und weiter. Dann geschah irgend etwas so nach einer Viertelstunde. Er brach ab und sagte: "Wissen Sie, wenn Sie hier früher atmen und dann das durchhalten, dann schauen wir, was passiert, und dann machen wir es noch einmal." Ich habe das so gemacht, und dann hörte er zu spielen auf, schaute mich an und sagte: "Ja, mein Lieber, so geht das auch."

Auf YouTube gibt es einen Ausschnitt aus dem Interview, das wir am 22. Mai 2004 mit ihm in München geführt haben. Das gesamte Interview findet man in der Buch-Dokumentation "Karl Richter in München - Zeitzeugen erinnern sich" sowie in Bild und Ton auf DVD (Informationen hierzu...).


Bestellung bitte per E-Mail an Conventus Musicus

4. Juli 2009

Ernst Haefliger zum 90. Geburtstag

Am 6. Juli 2009 wäre der in Davos (Schweiz) geborene Tenor Ernst Haefliger 90 Jahre alt geworden. Über seinen ersten Kontakt mit Karl Richter erzählte uns Enst Haefliger am 16. Oktober 2004 in seinem Haus in Wien u.a.:

...Ja, das war durch einen gemeinsamen Freund, den Oboisten Edgar Shann, der damals in Lütri wohnte. Der hat mir Karl Richter vorgestellt. Eine Zeit lang ereignete sich nichts, und dann hat er mich engagiert. Ab und zu kam er dann auch öfter nach Davos. Ich kann mich noch gut erinnern, das war einmal ein wunderbarer August, eine schöne Augustnacht und wir saßen da mit sehr gutem Rotwein auf der Terrasse, und er hat immer wieder gefragt: „Soll ich oder soll ich nicht?" Ich wusste nicht, was er wollte, und endlich hat er gesagt, dass er eigentlich eine Anfrage von der Deutschen Grammophon Gesellschaft hätte. Aber er hatte schon bei der Teldec aufgenommen, und da konnte er sich nicht entschließen. Wahrscheinlich war er aber schon entschlossen. Er hat dann einen guten Vertrag mit der Deutschen Grammophon abeschlossen.

Weitere Teile dieses Interviews haben wir bereits früher im Blog veröffentlicht, so seine Aussagen zur Interpretation der Rezitative bei Bach, einige Anmerkungen zu Sängerkolleginnen und -kollegen sowie einen kurzen Ausschnitt bei YouToube.

Ernst Haefliger ist am 17. März 2007 in Davos gestorben.