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10. September 2008

Karl Richter über die Anfänge in München

In demselben Interview mit der "Welt" aus dem Jahr 1979 erinnert sich Karl Richter an die Anfänge in München.



Frage (Welt): Ist Ihre musikalische Karriere eigentlich so verlaufen, wie Sie sich das mit Anfang Zwanzig vorgestellt haben?

Karl Richter: "Ja, was hab’ ich mir damals vorgestellt? Ich wollte nicht berühmt werden deswegen, weil ich Organist an St. Thomas in Leipzig war, wo Bach der Thomaskantor gewesen ist. Ich wollte irgendwo, ganz gleich wo, einen Chor gründen und eine Musikgemeinde aufbauen, wo ich Orgel und Cembalo spielen und Kammermusik machen konnte, was ich jetzt tue.

Ich habe damals, als ich in den Westen kam, in mehreren Städten Probe gespielt. Auch in Freiburg. Aber da wurde ich nicht genommen, weil Harald Genzmer und Gustav Scheck der Meinung waren, dass ich kein Verhältnis zur zeitgenössischen Musik hätte.


Dann habe ich in München Probe gespielt. Und da hat mir der unlängst verstorbene Robert Heger als Präsident der Hochschule geschrieben, das Ministerium könne sich nicht entschließen, einen 24jährigen ins Lehrerkollegium aufzunehmen, aber sie würden mir anbieten, die Vertretung als Orgellehrer zu übernehmen für ein Semester. In der Zeit könnten sie sich dann um einen Besseren bemühen. Ich habe den Vorschlag angenommen und natürlich gehofft, dass sie keinen Besseren finden. Ja, so ist es gewesen."



Karl Richter an der Orgel von St. Thomas in Leipzig 1949

9. Januar 2008

Die Ära Karl Richter in München: Das Jahr 1951 [DE]

Im Oktober 1950 wurde Pfarrer Dr. Theodor Heckel als neuer Dekan an St. Markus und als Stadtdekan in München eingeführt. Sein Organist und Kantor, Michael Schneider, hatte 1951 einen Ruf nach Detmold erhalten, und so galt es, die Stelle an St. Markus neu zu besetzen.

Da traf es sich, dass der Thomanerchor Leipzig zu einem Konzert in die Markuskirche nach München kam.


Karl Richter als Chorpräfekt in der Kreuzschule Dresden 1946

Dekan Heckel erzählte dem damaligen Thomaskantor Günther Ramin von der vakanten Stelle an St. Markus, worauf Ramin, wie Heckel in seinen Lebenserinnerungen schreibt, spontan erwiderte: "Da kann ich Ihnen Karl Richter empfehlen, meinen Thomasorganisten." Und mit der ausdrücklichen Bemerkung: "Der kann mehr als ich!"


Karl Richter als Thomasorganist in Leipzig 1949

Aus dem Interview mit Karl Heckel:

"Eines Tages kam beim Frühstück die Bitte meines Vaters an mich, dass ich mich doch heute um 11 Uhr bereit halten sollte, da käme der Thomasorganist Karl Richter und würde vorspielen. Ich könne ihm doch die Orgel zeigen und die wesentlichen Klänge, denn er hätte wenig Zeit und er müsse sich dann viel zu schnell zurecht finden, was ich ja schon könne, da ich schon immer auf der Orgel gespielt hätte."



Karl Heckel als Theologiestudent vor dem Orgelpositiv in der Markuskirche

"Um 11 Uhr kam dann ein mittelgroßer Mensch in einem weißen Staubmantel und wurde mir als Karl Richter vorgestellt. Hier begegneten wir uns an der Orgel zum ersten Mal. Ich zeigte ihm die verschiedenen Werke und Klangkombinationen, die er anwenden konnte, und da sagte er: „Ich sehe, Sie kennen die Orgel sehr gut, ich würde es auch so machen wie Sie.“ Dann spielte er seine Programm-Nummern durch und rief mir nur zu, welches Register ich an der und jener Stelle ziehen sollte. Das klappte auch hervorragend. "



Pfr. Karl Heckel beim Interview am 8. Dezember 2004 in Heroldsberg

"Ich kann mich nicht mehr an alle Stücke erinnern, ich weiß aber, es war dabei die Toccata d-moll, die ja auch heute noch auf Hörer großen Eindruck macht, dann war dabei der Schüblersche Choral Wachet auf, ruft uns die Stimme, sehr getragen gespielt, und es war dann auch das große Werk B-A-C-H von Reger dabei."

Trotz mancher Widerstände gegen einen „so jungen Kantor“ wurde der 25jährige Karl Richter im Oktober 1951 als Nachfolger von Michael Schneider an die Markuskirche berufen, gleichzeitig trug ihm Prof. Robert Heger, der Präsident der Hochschule für Musik, einen Lehrauftrag für Orgelspiel und evangelisches Choralspiel sowie die Leitung des Hochschulchores an.

Nach wenigen Wochen, am 25. November 1951, gab Karl Richter mit dem Heinrich-Schütz-Kreis das erste Konzert an St. Markus, das Programm umfasste mehrstimmige Motetten und Orgelwerke.

Remembering the Era Karl Richter in Munich: Year 1951 [EN]

In October 1950, Theodor Heckel was appointed superintendent of the Markuskirche and for Munich. His organist and cantor, Michael Schneider was appointed to Detmold in 1951 and it was time to find a replacement for him.

It so happened that the Thomaner-Choir of Leipzig came to Munich to give a concert.


Karl Richter as choir prefect at the Kreuzschule Dresden 1946

Superintendent Heckel spoke to the Thomas Cantor of that time, Guenther Ramin about the vacant position at the Markuskirche, upon which Ramin, as Heckel writes in his memoirs, spontaneously replied, "I can recommend Karl Richter, my Thomas-Organist" and added explicitly "He knows more than I do!"


Karl Richter as organist at the Thomas church in Leipzig 1949

Karl Heckel remembers:

"One day at breakfast my father asked me to be on hand at 11 o’clock because the Thomas-organist, Karl Richter would be coming to play the organ. I was to show him the organ and the essential tones as he did not have much time and had to find his way around as quickly as possible, something I could do very well as I used to play the organ all the time."


Karl Heckel as theology student on the Positive organ at the Markuskirche

"At 11 o’clock a medium sized person in a white smock arrived and was introduced to me as Karl Richter. We met one another for the first time at the positive organ in the Marcus church. I showed him the various works and tone combinations that he could use and he said, "You know this organ very well, I would have done it just as you say." Then he played his Program pieces and called me when he needed to know which register I would have used at such and such a point and everything worked out splendidly."


Pastor Karl Heckel during the Interview On December 8, 2004 in Heroldsberg

"I can’t remember all the pieces he played, but I do know that he played the Toccata in d-minor, a piece that even today leaves a tremendous impression on it’s listeners. There was the Schübler-Choral— Wachet auf, ruft uns die Stimme, played very solemnly, and then Reger’s great
B A C H works."

Despite a number of objections to 'such a young cantor', the 25 year old Karl Richter was appointed as successor to Michael Schneider at the Marcus church, and at the same time Prof. Robert Heger, President of the Music Academy Munich offered Richter a teaching position for organ and choral music as well as the conductorship of the Academy choir.

After only a few weeks, on 25th Nov.1951, Karl Richter gave his first concert at the St Marcus Church with the Heinrich-Schuetz-Kreis with a program including Motets arranged for several voices and pieces for the organ.