27. Februar 2008

Die Ära Karl Richter in München: Die Jahre 1957 ff. [DE]

Im Frühjahr 1957 führte die erste Auslandsreise des Münchener Bach-Chores und Münchener Bach-Orchesters nach Italien. In Palermo, Venedig, Triest, Florenz und Rom gelangte Bach's Matthäus-Passion zur Aufführung. Unter den Gesangssolisten war u.a. Fritz Wunderlich.

Antonia Fahberg

"Als Fritz Wunderlich zum ersten Mal zu Richter kam, da war er ein ganz junger Sänger, in Stuttgart engagiert und auf seine Stimme natürlich sehr stolz. Er wollte immer wieder damit brillieren. Zum Beispiel erzählte er: "Da bin ich heute um acht Uhr früh aufgestanden und wollte ein C singen und habe keins gehabt!" Wir darauf: "Bist du wahnsinnig, was willst du in der Früh um acht mit einem hohen C, da hat man ja normalerweise noch nicht mal eine Stimme, geschweige denn ein hohes C!" ..."



Fritz Wunderlich und Karl Richter 1957

Viermal innerhalb von 15 Monaten war wiederum Italien das Ziel von Konzertreisen, im Dezember mit Bachs Matthäus-Passion nach Bologna, im darauffolgenden Frühjahr mit einem Motettenprogramm a-capella nach Palermo, Florenz, L'Aquila, Rom, Mailand und Triest.

Irmhild Reges

"Wir fuhren in einem Touropa-Zug, wie es damals üblich war. Wir hatten in der Nacht unsere Betten, und am Tage wurde eine Art Bügelbrett in die Mitte geschoben, um darauf zu speisen. So kamen wir bis nach Palermo in Sizilien, in Messina setzten wir mit dem Zug auf einem Schiff über. Wir hatten schöne Konzerte und viel Erfolg, die Italiener fanden das großartig, was wir geleistet hatten."



Irmhild Reges

Im Dezember stand Bach's h-moll-Messe in Genua auf dem Programm und schließlich am 24. März 1959 Bach’s Matthäus-Passion beim Festival Arturo Toscanini in Parma. Die Solisten waren Ursula Buckel, Hertha Töpper, Ernst Haefliger, Manfred Cordes und Kieth Engen.

Höhepunkt des Jahres 1958 war die Schallplattenaufnahme von Bach's Matthäus-Passion für die Archiv-Produktion der Deutschen Grammophon Gesellschaft, für die eigentlich Günther Ramin als Dirigent vorgesehen war.

Hertha Töpper

"Mit ihm habe ich die Matthäus-Passion für die Deutsche Grammophon begonnen; doch eine Woche später war er tot."

Ernst Haefliger

"Man hat auch mich gefragt, mit wem man es machen sollte. Und ich hab gesagt: "Mit Richter." Das war für mich das Nächste. Richter hat auch die Kraft dazu gehabt. Wenn er dabei war, hat er nie nachgelassen oder etwas gekünstelt gemacht. Und wenn man die erste Aufnahme nimmt, von der Grammophon, da hört man das noch drauf. Wie das ganz streng war im Grunde, und auch der Chor, das hört man. "



Schallplattenaufnahme der Matthäus-Passion

Hertha Töpper

"Karl Richter hat dann die Matthäus-Passion übernommen und natürlich wieder von vorne angefangen. Da habe ich ihn als Grammophon-Einspieler erlebt, sehr rigoros, aber sehr sicher. Wir hatten ja alles schon oft miteinander gemacht, ich kannte seine Tempi, und es ging alles wunderbar. "

Ernst Haefliger sang den Evangelisten, Kieth Engen die Jesus-Partie, die weiteren Gesangssolisten waren Irmgard Seefried, Antonia Fahberg, Hertha Töpper, Dietrich Fischer-Dieskau und Max Pröbstl.

Irmhild Reges

"Die Aufnahmen fanden im Herkulessaal statt, aber immer erst nach den abendlichen Konzerten. Die Proben und Aufnahmen begannen also nicht vor 23.00 Uhr in der Nacht. Die Zusammenarbeit mit den Solisten und dem Orchester war wunderschön, zum Abhören sind wir immer in die Räume dahinter mitgelaufen, um etwas davon mitzubekommen, wie es nun geklungen hat."


Otto Büchner und das Münchener Bach-Orchester

Kurt Hausmann

"Bei dieser erste Aufnahme in München hat es nicht funktioniert mit den Englisch Hörnern. Und da kam ein Anruf ans Festspielhaus, und Richter sagte: "Mit den Englisch Hörnern, das klappt nicht so, können Sie es nicht mit Edgar Shann zusammen machen?" Ich sagte: "Ich weiß nicht, schicken Sie mir den Edgar nach Bayreuth, dann probieren wir, ob es geht." Edgar Shann kam, wir haben es probiert, haben uns schön zusammen gefunden und haben dann sämtliche Englisch Horn-Partien zusammen musiziert, und es ging gut."

Hertha Töpper

"Die Altarie wurde um 2.30 Uhr früh aufgenommen. Das weiß natürlich kein Mensch und es ist ja auch nicht interessant, was man für Schwierigkeiten so hat."



Hertha Töpper, Antonia Fahberg und Max Pröbstl

Remembering the Era Karl Richter in Munich: Year 1957 ff. [EN]

In the Spring of 1957 the Munich Bach-Choir and the Munich Bach-Orchestra went on their first trip abroad to Italy. Bach’s Matthew Passion was performed in Palermo, Venice, Trieste, Florence and Rome. Fritz Wunderlich was amongst the vocal soloists on this tour.


Antonia Fahberg

"The first time Fritz Wunderlich came to Karl Richter. He was a very young singer, engaged in Stuttgart and naturally very proud of his voice, He always wanted to show it off. For example he once told us: “ I got up this morning at 8 o’clock and wanted to sing a high C, but I didn’t have one to sing.” We answered: “ Are you crazy? What do you want to sing a high C for at 8, in the morning nobody normally has a voice at that hour never mind a high C”."



Fritz Wunderlich and Karl Richter in 1957

Four times within 15 months the destination of Concert tours was again Italy. In December with Bach’s Matthew Passion; in Bologna, in the following Spring with an 'a capella' Motetten Program in Palermo, Florence, L’Aquila, Rome, Milan and Trieste.

Irmhild Reges

"We traveled in a Touropa train as was usual in those days. At night we had our beds and during the day a sort of Ironing board would be pushed into the middle so that we had somewhere to eat from. In this way we traveled as far as Palermo in Sicily: in Messina the train was taken onto the ship for the crossing. We had lovely Concerts and a lot of success; the Italians found our work and our achievements really great."



Irmhild Reges

In December in Genoa, Bach’s Mass in h-minor was on the Program and finally on March 24, 1959 Bach’s Matthew Passion at the Festival Arturo Toscanini in Parma .The soloists were Ursula Buckel, Hertha Toepper, Ernst Haefliger, Manfred Cordes and Kieth Engen.

The climax of the year 1958 was the recording of Bach’s Matthew Passion for the Archive Production of the German Grammophon Company, for which Guenther Ramin was supposed to have been the Conductor.

Hertha Toepper

"I had begun the Matthew Passion with him for the German Grammophon Company; only one week later he was dead."

Ernst Haefliger

"I had been asked with whom it should be made; and I said “with Richter”, for me the immediate choice. Richter possessed the strength needed. When he was involved, he never faltered or produced something forced or artificial. When one listens to the first Grammophon recording you can hear this. How austere it was basically, the Choir as well, you can hear it."



Disk recording Matthew Passion

Hertha Toepper

"Karl Richter had taken over the Matthew Passion and naturally had begun again from the very beginning. I have experienced him at Grammophon recordings, very rigorous, but very assured. We had all had a lot to do with one another; I knew his “Tempi ”and everything went along wonderfully."

Ernst Haefliger sang the part of the Evangelist, Kieth Engen that of Jesus, other vocal soloists were Irmgard Seefried, Antonia Fahberg, Hertha Toepper, Dietrich Fischer Dieskau and Max Proebstl.


Irmhild Reges

"The recordings took place in the Hercules Hall, but not until after the evening Concerts were over. That meant the rehearsals and recordings never started until eleven o’clock at night. The collaboration with the soloists and the Orchestra was wonderful; afterwards we went into the rooms behind the hall to listen to what had been recorded so as to get an idea of how it had sounded."



Otto Buechner an the Munich Bach-Orchestra

Kurt Hausmann

"The first recordings in Munich with the English Horns had not functioned very well. A call came to the, Festival hall where Richter said: “It’s not working out properly with the English horns, can’t you do something together with Edgar Schann?” I said: “ I don’t know, send Edgar to me in Bayreuth, then we can try and see what we can do”. Edgar Schann came, we tried it out. We got together and played all the English-Horn pieces together and it turned out very well."

Hertha Toepper

"The contralto aria was recorded at half-past two in the morning. Nobody knew about this of course and the difficulties we had were not considered interesting."



Hertha Toepper, Antonia Fahberg and Max Proebstl

16. Februar 2008

Karl Richter-Continuo-Orgel, 1974

In der Zollingerhalle beim Alten Schloss Valley steht seit dem Jahr 2004 mit grün gefasstem Gehäuse ein Orgel-Positiv, das Karl Richter 1974 bei der Orgelbauwerkstätte Deininger & Renner in Oettingen als Reise-Continuo-Orgel nach eigenem Konzept hat bauen lassen. Bei den auswärtigen Aufführungen des Münchener Bach-Chores und Bach-Orchesters sollte das Instrument als Begleitinstrument Einsatz finden.



Vier Personen können über die herausziehbaren Traghebel den oberen Teil ab der feinen roten Querlinie abheben und haben dann das Manual-Pfeifenwerk komplett in den Händen. Der untere Teil enthält die Winderzeugung mit dem Windmotor und dem Blasbalg. Desgleichen kann Orgelbank und Pedalklaviatur, welche nur mit elektrischen Kontakten eingeschoben ist, abgezogen werden. Wenn schließlich auch noch der Subbass als tiefes Register mitgenommen werden soll, so hat man diesem ein eigenes Fahrgestell mit Windmotor und Blasbalg gegeben. Das ganze Instrument musste damals in einem VW-Bus Platz haben und wurde vom Orgelbaumeister Albert Deininger zu den jeweiligen Aufführungsorten transportiert, dort eingerichtet und gestimmt.



Das Instrument hat sechs Labialregister (Röhrenpfeifen) und ein Zungenregister namens Regal 8-Fuß. Die Klaviatur des Manuals ist um einen Halbton tiefer und höher verschiebbar. Der Klang ist naturgemäß auf barocken kontrapunktischen Präzisionsklang abgestimmt; in der Kombination von Regal und Quinte lässt sich sogar ein Cembalo-ähnlicher Orgelklang erreichen.

Für die Abdruckgenehmigung von Foto und Text bedanken wir uns ganz herzlich bei Herrn Dr. Sixtus Lampl, Orgelzentrum Valley .

15. Februar 2008

Heute vor 27 Jahren starb Karl Richter



Wir erinnern uns heute an Karl Richter mit einem Zitat aus Joachim Kaiser's Nachruf in der Süddeutschen Zeitung.

"Spontane Wandlungsfähigkeit war das Wissen und die Wurzel von Karl Richters Kunst. Immer wieder, ein herrlich erfülltes, aber allzu kurzes Dirigentenleben lang, gerieten ihm die großen Werke neu. Plötzlich musste sich dann sein Bach-Chor, überrascht, aber fasziniert mitgehend, auf ungewohnte Tempi einstellen: und die erklangen, auch wenn Richter sie schon so und so oft probiert und dirigiert hatte, mit der tief bewegenden Frische des 'Zum ersten Mal'."

Today we like to commemorate Karl Richter, his life and work with a citation from Joachim Kaiser's obituary in the Sueddeutsche Zeitung:

"It was the spontaneous versatility which was the source of Richter’s knowledge and artistry. Over and over again during his magnificent but much too short a career as conductor he was able to achieve a new approach to the great works of Bach. Suddenly, surprised but fascinated, his Bach choir had to go along with new unfamiliar tempi, always making it sound as fresh as if it was for the first time although practiced over and over again."

13. Februar 2008

Die Ära Karl Richter in München: Die Jahre 1956 ff. [DE]


Kieth Engen


"Im Jahr 1956 hat Karl Richter zum ersten Mal eine Konzertreise in die USA als Organist gemacht. Er gab ein Konzert in San Francisco in der Grace Cathedral, und am nächsten Tag war ein Seminar mit allen Organisten aus der Umgebung. Sie sprachen über diese Werke, die er gespielt hatte. Er hatte unter anderem den Choral „Wachet auf, ruft uns die Stimme“ gespielt. Am nächsten Tag kam er also mit den jungen Amerikanern zusammen, und sie fragten, warum er das so langsam spielt. Und er fragte: „Spiele ich es langsam?“ „Ja, ganz langsam, wir sind es schneller gewöhnt, ein bisschen jazzig.“

Und da zeigt sich eine wichtige Sache bei Richter: Er hatte intuitiv, in seinem Innersten, schon Gesetze in sich. Aber er hat sie nie als Gesetze gesehen, sondern als Teil seines Lebens.

Dann hat er den jungen Musikern gesagt. „Geben Sie mir eine Bibel! Schauen Sie, die törichten und die klugen Jungfrauen schlafen ein und der Bräutigam kommt, und die wachen dann erst auf. Wachet auf! Und wenn man vom tiefen Schlaf kommt, kommt man nicht sofort in ein Tempo, das so schnell ist. Man muss es langsam angehen.“ Und das war für die Amerikaner eine gute Begründung für sein Tempo."




St. Gumbertus - Bachwoche Ansbach 1956

Bereits 1954 und 1955 hatte Karl Richter bei der Bachwoche Ansbach konzertiert. 1956 trat erstmals auch der Münchener Bach-Chor dort auf und sang an vier Abenden 14 Bach-Kantaten. Richter spielte außerdem zusammen mit Yehudi Menuhin und Aurèle Nicolet Kammermusik von Johann Sebastian Bach.



Jehudi Menuhin und Karl Richter - Bachwoche Ansbach 1956

Anlässlich der Festkonzerte zur Einweihung der Marienorgel wurden der Münchener Bach-Chor und Karl Richter zum ersten Mal in die Stiftbasilika Ottobeuren eingeladen. Zusammen mit den Bamberger Symphonikern erklang u.a. der 150. Psalm von Anton Bruckner.



Basilika Ottobeuren

1958 kamen Ursula Buckel, Ernst Haefliger und John van Kesteren hinzu.

Ursula Buckel



"Edgar Shann, ein berühmter Oboist, hat mich für ein Bachkonzert in Lutry, in einer alten wunderschönen Kirche direkt am Genfer See, engagiert. Als er mich hörte, sagte er: „Ich muss sofort Richter anrufen, denn Sie sind eine Stimme für Richter.“ Ich wurde dann aufgefordert, nach München zu kommen und vorzusingen. Als ich nun gesungen hatte, sagten sie „ja, schöne Stimme.“ Ich solle aber noch ein Jahr gut arbeiten, ich könnte noch einiges besser machen. „Wir werden auf Sie in einem Jahr wieder zurückkommen“ ..."


Ernst Haefliger



"Ein gemeinsamer Freund, der Oboist Edgar Shann, hat mich Karl Richter vorgestellt. Ab und zu kam er dann auch nach Davos. Ich kann mich noch gut erinnern, wir saßen in einer wunderschönen August-Nacht mit sehr gutem Rotwein auf der Terrasse, und er hat immer wieder gefragt: „Soll ich oder soll ich nicht?“ Ich wusste nicht, was er wollte, und endlich hat er gesagt, dass er eine Anfrage von der Deutschen Grammophon Gesellschaft hätte. Aber er hatte schon bei der Teldec aufgenommen, und da konnte er sich nicht entschließen. Wahrscheinlich war er aber schon entschlossen.



John van Kesteren


Für viele Jahre war somit die Idealbesetzung des Solistenensembles gefunden: Antonia Fahberg oder Ursula Buckel, Sopran - Hertha Töpper, Alt - Ernst Haefliger oder John van Kesteren, Tenor - Kieth Engen, Bass. Für ganz bestimmte Partien, vor allem in den Oratorien von Händel und Haydn, aber auch in der Matthäus-Passion, wurde ab 1959 Karl-Christian Kohn engagiert.


Karl Christian Kohn



"Ja, es kann nur so gewesen sein, dass Karl Richter mich in Mozarts Figaro und in Rollen wie Leporello und Entführung gehört haben muss. Er kam nämlich auf mich zu, ich glaube, das war damals Samson, das war sehr früh. Und dann kamen wir zusammen. Es wurde nicht viel geprobt, sondern nur ein oder zwei Proben gemacht, Haupt- und Generalprobe, und dann ins kalte Wasser gesprungen."

Remembering the Era Karl Richter in Munich: Year 1956 ff. [EN]


Kieth Engen


"In 1956 Karl Richter went on his first Concert tour as Organist in USA. He gave a concert in San Francisco in the Grace Cathedral, and the next day there was a seminary with all the organists from the surrounding district. They spoke about the works he had played. He had performed, among others the choral 'Wachet auf, ruft uns die Stimme'. The next day when he was together with the young Americans, they asked him why he had played so slowly. And he asked: “Do I play slowly?” and they answered: “Yes, really slowly, we’re used to hearing it played faster, sort of jazzed up.”

And then something very important about Karl Richter could be noticed. He had in his innermost being an intuitive set of rules; but he had never regarded them as rules but as a part of his life.

He said to the young musicians: “Give me a Bible! Take a look! The foolish and the wise maidens fall asleep and then the Bridegroom comes, and only then do they wake up. Awake! When we are awakened from a deep sleep, we are at first slow to get going, we have to take our time”. For the young Americans this proved to be a good explanation, why he used a slower tempo."



St. Gumbertus - Bachwoche Ansbach 1956

In 1954 and 1955 Karl Richter had already given Concerts at the Ansbach Bach Festival (Bachwoche in Ansbach). In 1956 the Munich Bach-Choir appeared on the scene for the first time and sang on four evenings 14 Bach Cantatas. Apart from that Richter together with Yehudi Menuhin and Aurèle Nicolet performed Chamber music from J. S. Bach.



Jehudi Menuhin and Karl Richter at the Bachwoche Ansbach 1956

On the occasion of the gala concert for the inauguration of the Marien organ, the Munich Bach-Choir and Karl Richter were invited for the first time to the Collegiate Basilica in Ottobeuren, where they together with the Bamberg Symphony Orchestra performed Bruckner’s Psalm 150.



Basilika Ottobeuren

1958 brought the addition of Ursula Buckel, Ernst Haefliger and John van Kesteren.


Ursula Buckel



"Edgar Shann, a famous Oboist had engaged me for a Bach concert in a wonderful old Church in Lutry on the banks of Lake Geneva. After he had heard me sing, he said: “I must call Karl Richter right away, you are a voice for Richter.” I was then called upon to go to Munich for an audition. When I had finished singing, they said: “Yes, a lovely voice”! I should however work on my voice for another year, I could become a lot better. We will come back to you in one year’s time."


Ernst Haefliger



"A joint friend, the oboist Edgar Shann, had introduced me to Karl Richter. Now and again he used to come to Davos. I can still well remember us sitting on the terrace on a wonderful August night with a bottle of very good red wine and that he kept asking: “Should I or should I not?” I didn’t know, what he wanted until he, at last said, that he had received an offer from the Deutsche Grammophon Gesellschaft, but that he had already done recordings with Teldec, and he didn’t know how to make up his mind. In all likelihood he probably had already decided."



John van Kesteren

For many years the ideal casting of the soloist ensemble had been established: Antonia Fahberg or Ursula Buckel, Soprano, Hertha Toepper, Contralto, Ernst Haefliger or John van Kesteren, Tenor and Kieth Engen, Bass. In 1959 Christian Kohn was engaged for very specific passages, in the oratorios from Handel and Haydn, as well as in the Mathews Passion.


Karl Christian Kohn



"Yes it could only have been possible, that Karl Richter had heard me in Mozart’s Figaro and in roles like Leporillo and Entfuehrung. He came so to say to me. I believe it was at that time Samson, that was very early. And then we got together. There wasn’t much rehearsing, just once or twice, main and general rehearsals and then in at the deep end."

11. Februar 2008

Edith Mathis wird heute 70 Jahre

Herzlichen Glückwunsch zum Geburtstag!



Edith Mathis um 1970

Peter Hagmann würdigt Edith Mathis musikalisches Wirken in der NZZ
Natürlichkeit und Kunst

Nachtrag:
Am 13. Februar 2008 bringt kulturradio rbb um 20:04 in der Reihe Schöne Stimmen

Höchstmaß an Natürlichkeit und Eloquenz
Edith Mathis zum 70. Geburtstag



mehr

Eva Mathis On YouTube (u.a.)
Cantata for the Feast of the Annunciation (25 March)



Münchener Bach-Chor
Münchener Bach-Orchester
Karl Richter (conductor)
Edith Mathis (sopran)


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7. Februar 2008

"Bach verlangt ein Espressivo ... "



In der Zürichsee-Zeitung, Ausgabe vom 4. Februar 2008, rezensiert der führende Musikkritiker der Schweiz, Dr. Werner Pfister, die dreiteilige DVD-Dokumentation Karl Richter in München.

Er schreibt u. a.:

...Man erlebt Richter an der Orgel wie am Cembalo, sieht ihn mit seiner getreuen Schar in Münchens diversen Konzertsälen sowie in „seiner“ Markuskirche arbeiten, kann ihm bei den Proben zuschauen sowie bei Aufführungen und nimmt an den Konzertreisen des Münchener Bach-Chores und -Orchesters teil. Zahlreiche aufschlussreiche Interviews ergänzen diese lebendig gestaltete und sehr bedeutende Dokumentation.

...Man erfährt Wesentliches über die damalige Disziplin des Musizierens und über das Bewusstsein all dieser Sänger und Instrumentalisten, hier an etwas künstlerisch Einmaligem partizipiert zu haben.

...“Bach verlangt ein Espressivo, das nach innen geht“, sagte Karl Richter einmal. Hier, in dieser groß angelegten Dokumentation, ist es noch einmal in unprätentiöser Ausführlichkeit mitzuerleben.

6. Februar 2008

Die Ära Karl Richter in München: Die Jahre 1955 ff. [DE]

Aber nicht nur die Instrumentalisten des Bach-Orchesters prägten die Interpretationen der großen Werke von Bach, Händel, Haydn, Mozart, Beethoven, später auch von Mendelssohn, Bruckner, Brahms, Dvorak und Verdi. Maßgeblich beteiligt war auch das Vokalensemble, das sich zunächst hauptsächlich aus dem reichhaltigen Sänger-Reservoire des Nationaltheaters rekrutierte.

Hertha Töpper

1952 war Hertha Töpper von Graz an die Staatsoper nach München verpflichtet worden. Schon kurze Zeit später nahm Günther Ramin Kontakt zu ihr auf.

„Günther Ramin hatte für 1955 die Hohe Messe vorgeplant und gesagt: Solisten wie immer. Da hat der Orchestervorstand des Bayerischen Staatstheaters ihm geschrieben: „Wir haben da eine neue Altistin, die sollten Sie sich anhören.“ Ramin kam im Dezember 1954 auf der Durchfahrt nach Bad Gastein nach München und saß in der Oper in meinem Rosenkavalier. Und im Rosenkavalier hat er entdeckt, dass ich eine Bachsängerin sei. "

Und bald darauf wurde auch Karl Richter auf sie aufmerksam.

"Karl Richter hat damals gesagt: „Die Töpper kam nicht nach München, die war plötzlich da." Und Gott sei Dank, hat er dann auch ziemlich schnell Kontakt zu mir aufgenommen."


Hertha Töpper

Am 6. November 1955 debütierten zwei weitere Mitglieder der Nationaltheater-Sängergilde im Rahmen des Bach-Kantaten-Zyklus in der Markuskirche, Antonia Fahberg und Kieth Engen.

Antonia Fahberg

„Ich sollte für eine Kollegin einspringen, war damals aber schon kurz vor der Entbindung von meinem Sohn, und da sagte ich: „Um Gottes Willen, was soll ich denn anziehen?“ Ich hatte also ein schwarzes Kleid, und man hat mir einen schwarzen Schal von hinten drüber mit Sicherheitsnadeln festgesteckt. Karl Richter ist jeden Tag gekommen und hat mit mir gearbeitet, das war ganz toll. Ich hatte ja noch nie Bach gesungen. Es war ein Riesenerfolg, und von da an war das eine große Liebe. "


Antonia Fahberg

Kieth Engen

„Mein erstes Zusammentreffen mit Karl Richter war im Jahr 1955 in der Markuskirche in München. Er fragte mich: „Was wollen Sie singen? “Und ich sagte: „Ich würde sehr gern das Arioso 'Am Abend, da es kühle war' aus der Matthäus-Passion singen.“ Wir gingen zu der Orgel, die Kirche war leer, dachte ich, und wir haben dieses Arioso gemacht, er an der Orgel, und ich habe gesungen. Und darauf sagte er: „Sehr gut, sehr gut, könnten Sie im November zwei Kantaten mit mir machen in dieser Kirche?“ „Ja, sehr gern, natürlich.“ ...“


Kieth Engen

1956 standen erstmals Lotte Schädle und Fritz Wunderlich, Dietrich Fischer-Dieskau und Peter Pears auf dem Programm von Bach-Konzerten in der Markuskirche und bei der Ansbacher Bachwoche, ein Jahr später sang Marga Höffgen in Ansbach die Alt-Arien in der h-moll-Messe und in beiden Passionen, auch Fritz Wunderlich, Peter Pears und Kieth Engen waren mit von der Partie.


Lotte Schädle


Fritz Wunderlich mit Karl Richter


Dietrich Fischer-Dieskau mit Karl Richter


Peter Pears


Marga Höffgen

Remembering the Era Karl Richter in Munich: Year 1955 ff. [EN]

But it was not only the instrumentalists of the Bach-Orchestra, who influenced the interpretations of the great works of Bach, Handel, Haydn, Mozart, Beethoven and later those of Mendelssohn, Bruckner, Brahms, Dvorak and Verdi. The Vocal ensemble was also significantly involved, an ensemble that in the beginning was chiefly drawn from the abundant Singer-reservoir belonging to the National Theatre.

In 1952 Hertha Toepper from Graz was under contract at the State Opera in Munich. After only a short time, Guenter Ramin got into contact with her.

Hertha Toepper

"Guenter Ramin had already planned the High Mass for 1955 and had said: the same soloists as usual, but the Board of directors of Orchestra wrote saying: “we have a new contralto we think you ought to hear”. Ramin came to Munich in December 1954 on his way to Bad Gastein and came to the Opera to hear my 'Rosenkavalier'. And discovered through my Rosenkavalier, that I was a Bach singer."

And very soon she caught Karl Richter’s attention

"At that time Karl Richter had said: “Toepper didn’t come to Munich, she was suddenly there”, and thank God he got in touch with me rather quickly."


Hertha Toepper

On 6th November 1955 two further members of the National Theatre Guild made their debuts in the course of the Bach- Cantata Cycle in the Markuskirche, Antonia Fahberg and Kieth Engen.

Antonia Fahberg

"I was supposed to understudy for a colleague, and was almost due to go into confinement with my son. For Goodness sake, what am I supposed to wear? I had a black dress that we draped with a black scarf held by safety pins. Karl Richter came every day and practiced with me. I had never sung Bach before. It was a terrific success and from that moment on one of my great loves. Richter came every day, explained everything to me, it was amazing."


Antonia Fahberg

Kieth Engen

"My first meeting with Karl Richter took place in 1955 in the Markuskirche in Munich. He asked me: “What do you want to sing”? And I answered: “I would very much like to sing Arioso 'Am Abend, da es kuehle war' from the Matthews Passion. We made our way to the organ, the church was empty, and we did Arosio, Richter on the organ, and I sang. Afterwards he said: “ Very good, very good, could you do two Cantatas with me in November here in this church”? “Yes of course”, I replied,” with pleasure”!"


Kieth Engen

In 1956, for the first time, Lotte Schaedle, Fritz Wunderlich, Dietrich Fischer-Dieskau and Peter Pears were listed on the Program of Bach Concerts in the Markuskirche and at the Bach-Woche in Ansbach. One year later Marga Hoeffgen sang the contralto arias in the b-minor Mass and in both Passions. Fritz Wunderlich, Peter Pears and Kieth Engen were also participating.


Lotte Schaedle


Fritz Wunderlich mit Karl Richter


Dietrich Fischer-Dieskau mit Karl Richter


Peter Pears


Marga Hoeffgen
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