18. Dezember 2007

Weihnachten 2007


Krippe in der Klosterkirche Kreuzberg/Rhön

Allen Freunden, Mitstreitern und Verehrern von Karl Richter ein gesegnetes Weihnachtsfest und ein glückliches Jahr 2008!

Ihr
Johannes Martin

15. Dezember 2007

Vor 40 Jahren: Bachs h-moll-Messe im Festspielhaus Salzburg



Es war schon Tradition, am Samstag vor dem 1. oder 2. Advent im Großen Festspielhaus zu Salzburg zu singen. Dieses vorweihnachtlliche Konzert fand in jedem Jahr von 1962 bis zu Richters Tod statt, es war immer eine sehr schöne Stimmung. Zur Aufführung kamen u.a. Händels Messias, Bachs h-moll-Messe und natürlich das Weihnachtsoratorium. Dort haben wir auch erstmals alle sechs Kantaten des Weihnachtsoratoriums am Nachmittag und am Abend gesungen. Zwischendurch gab es im Peterskeller ein gutes Abendessen.


Im Großen Festspielhaus Salzburg

Jürgen Rasch und Paul Meisen erinnern sich an die h-moll-Messe am 16. Dezember 1967:

Das Domine Deus bedarf eines Solo-Tenors, und die Stunde der Aufführung rückte näher, aber kein Tenor war in Sicht. John van Kesteren sollte wohl einfliegen und Nebel verhinderte die Landung, wir waren ohne Tenor. Was machen? Soll das 'Domine Deus' ausfallen? Soll es einer vom Chor, Flickinger, singen? Richter entschloss sich dann, dass der gesamte Chor-Tenor den Solopart übernehmen sollte. Das war der stärkste Gegenpart, gegen den ich jemals anzuspielen hatte.

Wir wurden dann ins Künstlerzimmer gebeten, Professor Richter saß am Flügel, und wir haben zwei- oder dreimal das Duett durchgesungen, und Richter konnte sich darauf verlassen, dass im Konzert alles klappt.

12. Dezember 2007

Vor 40 Jahren: Barocker Ausblick auf das Fest - Das Weihnachtsoratorium (Teil I-III) im Deutschen Museum München am 12. und 13. Dezember 1967



Vor 40 Jahren schrieb Karl Schumann in seiner Rezension in der Süddeutschen Zeitung u.a.:

"...Es ist beinahe zur Tradition geworden, dem Münchener Bach-Chor zu versichern, er habe sich wieder selbst übertroffen. Er tat es wirklich. Der herbe, vitale Klang dieses Ensembles von Enthusiasten setzt einen Maßstab, der ähnliche Chorvereinigungen als Durchschnitt erscheinen läßt.

...Karl Richter kann sich rühmen, mit einem Minimum an konzentrierter Probenarbeit aus den verfügbaren Instrumentalisten sein eigenes Orchester zu machen. Rühmlich hervorzuheben sind die Flötisten Paul Meisen und Herbert Segl, die Oboer Kurt Hausmann und Martin Spanner, schließlich Pierre-Jacques Thibaud, der auf der Trompete ähnliche Wunderdinge vollbringt, wie sein großer Namensvetter einst auf der Geige exekutierte.

...Für den Evangelisten der Weihnachtsgeschichte ist John van Kesterens Timbre prädestiniert: hell, silbrig, neutral, mit einem Beiklang von Distanz im wohlartikulierten Ausdruck. Die Engelsverkündigung Antonia Fahbergs hörte sich seraphisch und tröstlich an, wie sie gemeint ist. Hertha Töppers Altarien verbanden exakte Phrasierung mit pastoser Schönheit des Tons. Kieth Engens Baß wird an Würde, Ernst und markiger Deklamation schwerlich zu überbieten sein.

...Der erste Teil des Weihnachtsoratoriums mußte im Museumssaal zweimal aufgeführt werden, ohne dem Andrang Genüge zu tun. Karl Richter unterband den Beifall. Das war vielleicht Selbsthilfe. Hätte sich die allgemeine Euphorie Luft schaffen können, Karl Richter wäre bis Mitternacht gefeiert worden."

3. Dezember 2007

Opernwelt Rezension: Karl Richter DVD-Dokumentation

Stephan Mösch rezensiert in der Zeitschrift Opernwelt Ausgabe 11/2007 unsere Video-Dokumentation

Karl Richter in München 1951-1981

Teil 1: Bach-Chor und Bach-Orchester
Teil 2: Solisten. Konzerte. Tourneen

Er schreibt u.a.

"... Deshalb kommt einer anderen DVD-Reihe großes Gewicht zu, die der Conventus Musicus Dettelbach sukzessive auf den Markt brachte. In liebevoller Kleinarbeit hat Johannes Martin (Text und Kamera) rare Film- und Tondokumente aus Richters Münchner Jahren gesammelt und zahlreiche Zeitzeugen interviewt. Heraus kommt keine Heroengeschichtsschreibung wie oft bei den offiziellen Richter-Filmen, sondern ein Puzzle, das einen unnachahmlichen Bach-Stil aus der Perspektive der Mitwirkenden beleuchtet ..."

"... Richter taucht in vielen, oft privaten Filmschnipseln auf: ein zweifellos scheuer und schwieriger Musiker, genialisch, aber auch abweisend, schroff, bisweilen verletzend in seiner Art. Wie er in Musik aufging und mit welcher Suggestionskraft er seine Hörer ins musikalische Geschehen hineinziehen konnte, davon können diese DVDs zumindest eine Ahnung vermitteln. Nicht zuletzt deshalb, weil ihr Tonmaterial primär aus unveröffentlichten Live-Mitschnitten besteht."

Die vollständige Rezension steht online hier

20. November 2007

Julia Hamari - Herzlichen Glückwunsch zum Geburtstag!

Julia Hamari wird am Mittwoch, den 21. November, 65 Jahre alt. Gerne erinnern wir uns an sie:

Meine erste Begegnung mit Karl Richter im April 1966
(aus unserem Interview vom 6. Juni 2004 in Stuttgart)



Es war für mich ein phantastisches Erlebnis. In Budapest habe ich 1965 den großen Franz-Liszt-Wettbewerb gewonnen, dabei war ich die jüngste Teilnehmerin. Nach diesem Wettbewerb wurde eine Schallplatte gemacht, die wahrscheinlich herumgeschickt wurde, und so ist diese Schallplatte auch in Wien angekommen. Es war gerade Festspielzeit. Und wenn ich mich gut erinnere, hatte Christa Ludwig abgesagt, und man hat mich gefragt. Als kleine, 22jährige, noch Schülerin, und von der Hochschule nur weg durch diesen Wettbewerb. Unglaublich aufgeputzt kam ich damals aus Ungarn an. Wir waren arm, es war eigentlich eine dunkle Zeit, aber nicht für mich. Für mich schien die Sonne durch die Musik und dadurch, dass ich dachte, man liebt mich und hilft mir.



Im Musikverein in Wien wurde ich dann Richter vorgestellt. Er kam in den Raum und ich stand da, absolut unbekannt, wirklich ein kleines Mädchen, nichts anderes. Und er stand vor mir und guckte mich so an mit seinen irre großen Augen. Ich wurde gelähmt, minutenlang gelähmt. Ich guckte diese zwei Augen an und dachte, ich kann keinen Ton singen. Und dann sagte er in seinem goldigen sächsischen Dialekt - ich versuche noch heute, es für meine Schüler nachzumachen -: „Na, kommen Sie, singen wir ein bisschen." Und dann hat er mich in ein großes Zimmer geführt und hat sofort die Erbarme dich Arie aus der Matthäus-Passion angefangen. Beinahe durchgespielt, und da habe ich erstmals gemerkt, er lebt gar nicht hier, er lebt in einer absolut anderen Welt. Das war mein erster Eindruck, dass er nur für die Musik lebte.



Und da habe ich mir gesagt, hier bin ich zu Hause. Die Musik war ja auch mein Leben. Warum bist du nervös, gib dich hin und lass dich begleiten. Und da habe ich die Erbarme-dich-Arie angefangen zu singen. Und plötzlich starrte er mich an, schaute er so richtig durch mich durch und forderte mich damit eigentlich heraus, noch schöner, noch besser zu singen. Dann sagte er: „Jung, aber schon eine Künstlerin. Genug." Und dann noch: „Es wird wunderbar."



Wenn ich darüber nachdenke, da war (beim sensationellen Debüt im April 1966 in Wien) Hermann Prey, da war Peter Schreier, auch eines seiner ersten Konzerte in Wien, Ernst Gerold Schramm - er war dann ein wunderbarer Freund von mir -, und es war das letzte Konzert mit Theresa Stich-Randall, eine ganz hochrangige Konzertsopranistin. Das war die erste Matthäus-Passion meines Lebens. Natürlich wollte das niemand glauben. So einen Anfang gibt es überhaupt gar nicht!

Ausschnitt aus dem Interview mit Julia Hamari auf YouTube
(zusammen mit Peter-Lukas Graf und Ernst Haefliger)

Italiano: Documentario su Karl Richter, Parte III: «Fascino e interpretazione»

Our friend Alberto and admirer of Karl Richter's music has an Italian version of the announcement of the 'Karl Richter Trilogy' part 3 on his blog 'Musica classica ieri e oggi'

"Nella terza e ultima parte del documentario su Karl Richter, Johannes Martin ha intervistato 20 testimoni (tra cui Hertha Töpper, Edda Moser, Julia Hamari, Kieth Engen, Christian Kabitz e Paul Meisen) e raccolto 26 estratti musicali (da registrazioni dal vivo) che aiutano a comprendere l'interpretazione e il fascino che Karl Richter trasmetteva sia ai musicisti che agli ascoltatori e che tutt'ora affascina amanti della musica in tutto il mondo ..."

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Molte grazie, Alberto!

17. November 2007

Karl Richter in München Part 3: Faszination und Interpretation

Der Titel-Vorspann zur DVD Filmdokumentation 'Karl Richter in München' Teil 3 von Johannes Martin