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25. Januar 2015

Zeitzeugen der Ära Karl Richter - DVD 10



Franz Kelch (Bass) - Gabi Weinfurter (Bach-Chor) - Friedemann Winklhofer (Orgel) - Christian Kabitz (Orgel)
(DVD 10)

Franz Kelch 14,0 min
Gabi Weinfurter 13.0 min
Friedemann Winklhofer 24,0 min
Christian Kabitz 11,5 min

Gesamt 62,5 Minuten

Einzel-DVD: Euro 8,90 - Alle 10 DVDs zusammen: Euro 62,90

18. August 2008

Christian Kabitz über Karl Richters Bedeutung damals und heute



Christian Kabitz hat seit 1979 die Stelle als Kirchenmusikdirektor an St. Johannis zu Würzburg inne.

An der Beckerath-Orgel in St. Johannis zu Würzburg gab Karl Richter in den 1960er und 70er Jahren mehrmals Orgelkonzerte. Günter Jena, Richters Assistent in München, hatte 1961 die neue Kantorenstelle übernommen, nach dem Vorbild seines Lehrers den Bachchor Würzburg samt Bachorchester gegründet sowie 1968 die Würzburger Bachtage ins Leben gerufen.



Als ich mit Karl Richter aufgewachsen bin, hatten Nicolaus Harnoncourt und Helmuth Rilling schon kräftig Musik gemacht. Und trotzdem war jede neue Schallplatte von Richter eine Offenbarung. Ich kannte natürlich die Stücke von der Partitur her, hatte sie schon gehört oder sogar selbst dirigiert, aber wenn Karl Richter kam, sagte man: „Stimmt, so muß es sein!"
Es war immer ein ganz ehrfurchtsvoller Moment, wenn Karl Richter in der Kantine saß oder durch die Gänge ging auf der Suche nach einem Schüler. Für mich war er die größte Respektsperson.

Karl Richter hatte die Fähigkeit, urplötzlich das Herz zu berühren. Man spürte, dass seine Interpretation noch ein wenig mehr Wahrheit in der Musik entdeckt und die Text-Musik-Beziehung unmittelbar in das eigene Seelenleben transportiert hat.

Wenn man von Karl Richter so begeistert ist, möchte man natürlich auch beim eigenen Musizieren dem Vorbild möglichst nahe kommen. Und das verleiht einem die Kraft, mit einem Orchester auf diese Klangvorstellung hin zu arbeiten.



Die Bedeutung Karl Richters in der heutigen Musiklandschaft beruht auch darauf, dass er ein unglaublicher Wegbereiter für Bach war. Ein Rilling oder auch ein Harnoncourt hätten es ohne den „Antipoden" Richter nicht so weit gebracht.

Wenn man wie Karl Richter mit einem solchen Ruhm noch heute präsent ist, ist das ein Zeichen, welch ein riesiges Ereignis er in unserem Musikleben war.


Das vollständige Interview mit Christian Kabitz (zusätzlich die Interviews mit Franz Kelch und Friedemann Winklhofer) gibt es auf DVD zum Preis von Euro 19,00, zu bestellen nur bei Conventus Musicus per E-Mail.

Alle Interviews mit den Zeitzeugen (26 Vokal- und Instrumentalsolisten) sind auf 10 DVDs zum Preis von Euro 150,00 erhältlich, ebenfalls nur bei Conventus Musicus per E-Mail.

12. August 2008

Friedemann Winklhofer über Karl Richters Klangvorstellung an der Orgel

Karl Richters Vorstellung vom Orgelklang war immer sehr farbig, sowohl bei den solistischen Auftritten wie auch am Continuo. Das Continuo musste immer gut hörbar sein, er wollte die Orgel sehr deutlich haben, sie sollte in den Arien, aber vor allem in den großen Turba-Chören der Passionen und den Chorfugen der h-moll-Messe und der Kantaten präsent sein und dem Chor Farbe geben. Je größer die Orgel war, an der man Continuo spielte, umso mehr konnte man ihn mit einer farbigen Registrierung erfreuen. Bei kleineren Orgel-Positiven hat Richter den Klang oft selbst ausprobiert und einem seine Vorstellungen deutlich gemacht.



Friedemann Winklhofer im Jahre 1977

Da erinnere ich mich an meine erste h-moll-Messe in München, wo im Gegensatz zur romantischen Schaffhauser Orgel nur ein Positiv zur Verfügung stand. Immer wenn Richter mit meiner Klangvorstellung nicht ganz einverstanden war, kam er bei weiterlaufender Probe durch das Orchester zu mir ans Positiv und sagte mir, wie und in welcher Lage er diese Stelle gerne hätte. Das war für ihn schon etwas außergewöhnlich, denn der Orgelspieler war bei ihm, der ja selber ein großartiger Organist war, immer in der „Schusslinie". Meine Kolleginnen und Kollegen haben da schon manchmal einiges abbekommen. Bei mir war er erstaunlicherweise sehr hilfsbereit, was auch den Leuten vom Orchester aufgefallen ist.



Friedemann Winklhofer mit Leonard Bernstein bei der Probe in der Münchner Musikhochschule anlässlich des Gedenkkonzertes für Karl Richter am 3. Mai 1981


Ich habe Karl Richter oft an großen Orgeln wie im Herkulessaal oder in der Markuskirche gehört, und es war immer ein Erlebnis, ganz gleich wie das Konzert war. Sicherlich hatte er auch manchmal schlechte Abende und hat gelegentlich auch Stellen „in den Sand gesetzt". Es war aber immer - Rauskommen ist leicht, aber das Wieder-Reinkommen ist das Schwierige - faszinierend, wie er das überbrücken konnte. Wer die Stücke nicht genau kannte, hat meist gar nicht gemerkt, dass dann auch ein wenig Improvisation dabei war.

Richter hat ja alles auswendig gespielt, ob das die sechs Triosonaten waren, die großen Bach-Werke, oder Reger B-A-C-H, oder auch Liszt B-A-C-H. Es gab damals in Europa kaum Konzertorganisten, die alles auswendig gespielt haben. Für mich war das unglaublich mitreißend, mitzuerleben, wie Richter alles auswendig gespielt und selbst registriert hat, mit einer Selbstverständlichkeit, wie das sonst nur Konzertpianisten geboten haben.



Friedemann Winklhofer beim Interview am 1. August 2005 in der Johanniskirche Ansbach


Das vollständige Interview mit Friedemann Winklhofer (zusätzlich die Interviews mit Franz Kelch und Christian Kabitz) gibt es auf DVD zum Preis von Euro 19,00, zu bestellen nur bei Conventus Musicus per E-Mail.

Alle Interviews mit den Zeitzeugen (26 Vokal- und Instrumentalsolisten) sind auf 10 DVDs zum Preis von Euro 150,00 erhältlich, ebenfalls nur bei Conventus Musicus per E-Mail.

2. Oktober 2007

Film-Dokumentation: Karl Richter Trilogie Teil 3 (Schluss)

Faszination seines Musizierens

In Kürze erscheint der dritte und letzte Teil der Karl Richter Film-Trilogie (ISBN 978-3-00-022647-2), mit dem Untertitel Faszination und Interpretation. Hier vorab einige Ausschnitte aus den Interviews der Zeitzeugen zu Richters Interpretationsansätzen. (Fortsetzung und Schluss)



Hermann Baumann

...Alle fanden es unglaublich, wie jemand sich vor einen Chor und ein Orchester stellt und eine solche Musik macht, dass die Leute über Hunderte von Kilometern anreisen, um das zu hören. Man kann es nicht in Worte fassen. Erfassen konnte man es nur, wenn man unter den Zuhörern saß.

Everybody found it unbelievable the way somebody could stand in front of a choir and an orchestra and produce such music that people came from hundreds of kilometres away to listen to it. You can’t explain it in words you could only really grasp it when you sat there in the audience, even on Television it was only partially felt. (Hermann Baumann)


...Wenn er dirigierte, und das hat das Publikum nicht gesehen, aber wir, ging ein Licht von ihm aus, und er war plötzlich groß und schön. Und hatte eine Aura von Schönheit um sich durch die Musik, durch seine innere Verbindung mit der Musik und durch sein Leben mit dieser Musik.

When he conducted, and the audience could not see him, but we, could A special light radiated from him, this small person became taller and handsome. An aura of beauty surrounded him, given to him by the music, by his intrinsic association with music, by his life with music. (Kieth Engen)



Ursula Buckel

... Bei Richter hatte ich wirklich das Gefühl gehabt, ich bin ein Instrument, er benutzt mich als Instrument, ich singe aus ihm heraus. Ich fühlte mich geführt, obwohl er das nicht erzwungen hat.

With Richter, I really had the feeling that I was an instrument. he used me like an instrument. I felt myself guided, very much guided although he never forced anything. (Ursula Buckel)



Aurèle Nicolet

Einmal, bei der Aufnahme der h-moll-Sonate, die wir in München machten, probten wir vorher noch etwas. Da sagte er zu mir: "Aurèle, warum phrasierst du so viel? Du phrasierst seit 30 Jahren, du weißt das. Lass doch fließen." Das war seine Kunst, die Musik fließen zu lassen.

Once during the recording of the B-Minor Sonata, which we did in Munich, we rehearsed a bit beforehand. Then he said to me, "Aurèle why do you phrase so much, you’ve been phrasing for the last 30 years, and you know it, let it flow." That was his artistry, he could let the music flow. (Aurèle Nicolet)



Lotte Schädle

Sein Dirigieren war für den Sänger äußerst tragend, und ich möchte sagen, man wurde mitgerissen von seiner Diktion, seiner Klarheit, seiner Spontaneität und seiner Begeisterung. Man wurde getragen und geführt von ihm.

His conducting was extremely supportive for the singer. One would be carried away by his diction, his spontaneity and his enthusiasm. One was borne and guided by him. (Lotte Schädle)



Karl Richter hatte die Fähigkeit, urplötzlich das Herz zu berühren. Man spürte, dass seine Interpretation noch ein wenig mehr Wahrheit in der Musik entdeckt und die Text-Musik-Beziehung unmittelbar in das eigene Seelenleben transportiert.

Karl Richter possessed the ability to unexpectedly touch the heart. One had the feeling, that his interpretation discovered a bit more truth in the music and that the text-music correlation had been transported directly into ones own spiritual life. (Christian Kabitz)

(Schluss / End)

Teil 3 der Karl Richter Triologie erscheint Anfang November 2007 auf DVD (Deutsch/English)

Bestellungen u.a. im Karl Richter Online Shop (Conventus Musicus)

15. Mai 2007

Zeitzeugen im Interview: Christian Kabitz


Christian Kabitz an der Beckerath-Orgel
von St. Johannis in Würzburg


Zum Abschluss der Vorbereitungen auf den dritten Teil der Film-Trilogie konnten wir am vergangenen Sonntag noch ein kurzes Interview mit Christian Kabitz aufnehmen. Kabitz, geb. 1950, studierte ab 1972 ab der Musikhochschule München Kirchenmusik. 1979 wurde er zum Kantor an die St. Johanniskirche Würzburg berufen, dort leitet er den Würzburger Bachchor und das Bachorchester Würzburg. In dieser Eigenschaft verantwortet er jährlich die Würzburger Bachtage, ein Musikfestival von überregionaler Bedeutung.