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26. Oktober 2007

Vor 40 Jahren: Konzertreise nach England vom 27. - 30. Oktober 1967

Am Freitag, den 27. Oktober 1967, flogen Karl Richter, sein Münchener Bach-Chor und das Bach-Orchester um 15.30 Uhr mit der Lufthansa Maschine LH 874 von München Riem nach Birmingham. Von dort ging es gleich weiter mit mit Bussen nach Coventry.



Foto: Am Reisebus in Coventry


Am späten Vormittag des nächsten Tages trafen sich die Mitwirkenden in der neuen Kathedrale zur Probe für das abendliche Konzert, Bachs h-moll-Messe. Inzwischen waren auch die Gesangssolisten eingetroffen:
Agnes Giebel (Sopran), Norma Procter (Alt), Horst Wilhelm (Tenor) und Peter van der Bilt (Bass). Konzertmeister war Werner Grobholz.



Foto: Kathedrale in Coventry

Am Nachmittag hatte ich die Gelegenheit, Karl Richter - mit seinem Einverständnis - beim Üben an der großen, viermanualigen Orgel zuhören zu können. An diesem, gerade für uns Deutsche so geschichtsträchtigen Ort war das ein überwältigendes Erlebnis.



Foto: Karl Richter an der Orgel in Coventry

Ohne die übliche Pause zwischen Gloria und Credo stand am Abend um 19.45 Uhr Bachs h-moll-Messe auf dem Programm, eine recht anstrengende Angelegenheit, wie Jürgen Rasch im zweiten Teil der Film-Trilogie so anschaulich schildert.


Foto: Titelseite Programm Coventry

Bereits um 9.00 Uhr war am darauffolgenden Sonntag-Morgen die Abfahrt mit Bussen nach Newcastle. Geplant war ein gemeinsames Mittagessen im Hotel Merrion in Leeds. Aber... wir sind dann mit dem Bus quer durch England nach Newcastle gefahren, um dort die h-moll-Messe zu singen. Da wir so spät dran waren, sind wir nicht ins Hotel, sondern gleich zum Konzertsaal gefahren, ohne Essen - und dann zwei Stunden h-moll-Messe! (Zitat: Jürgen Rasch)


Foto: Programm Newcastle

Das Konzert fand um 19.30 Uhr in der City Hall statt. Auch anschließend gab es keine Möglichkeit mehr, etwas zu essen, da die Restaurants zur damaligen Zeit in Newcastle an Sonntagen um diese Zeit bereits geschlossen waren.

Am Montag, den 30. Oktober 1967, war für 10.45 Uhr die Abfahrt der Busse zum Flughafen angesetzt, Abflug war um 12.30 Uhr, wiederum mit der LH 874. Drei Stunden später landete das gesamte Ensemble wohlbehalten in München Riem.

9. Oktober 2007

Vor 40 Jahren: Joseph Haydn's Jahreszeiten im Kongresssaal des Deutschen Museum

Am 11. Oktober 1967 führten Karl Richter, sein Münchener Bach-Chor und Bach-Orchester mit den Solisten Agnes Giebel, Ernst Haefliger und Karl-Christian Kohn im Kongresssaal des Deutschen Museums Joseph Haydns „stürmisch-bewegte" (Joachim Kaiser) Jahreszeiten auf.



Agnes Giebel


Ernst Haefliger


Karl-Christian Kohn

In der Abendzeitung war die folgende Kritik zu lesen:

"Glanzvolle Jahreszeiten

Karl Richter ließ keinen Gedanken ans biedermeierliche Zerrbild vom Papa Haydn aufkommen. Er riss das Bach-Orchester und den Bach-Chor (dessen Damen jedenfalls im Optischen immer attraktiver werden) mit sich fort in einer wilden, verwegenen Begeisterungsjagd. Kein ablenkendes Verweilen beim malerischen Detail, bei der hübschen Figur - sondern dramatisches Aufspannen des Werks, so dass der rhythmische Pulsschlag, der den ganzen Organismus belebt, zwingend deutlich wurde.

Die Stimmen liefen zusammen und überkreuzten sich wie in einem schwingenden, federnden Netz. Richter packte es mit kühn ausgreifenden, ja manchmal ekstatischen Dirigierbewegungen. Eine Zusammenarbeit zwischen ihm, den Musikern und Sängern, die bei allem Temperament und aller Konzentration keinen ärgerlichen Schweißtropfen auf die ausdrucksvolle Musik fallen ließ. Im Gegenteil, so erdenleicht und feurig-rein wird man die Jahreszeiten wohl für Jahre nicht mehr erleben.

Glanzvoll die Gesangssolisten: Ernst Haefliger versetzte aus dem Konzertsaal an Ort und Stelle in seiner Cavatine der Sommerhitze und der Arie des Winterwanderers: Die Verzauberung durch ein magisches Piano und ein beklemmendes Ritardando. Agnes Giebel sang als tönend gewordene Anmut - etwa das kokette, auf deutsch, lose Lied vom „Mädchen, das auf Ehre hielt". Karl-Christian Kohn ließ viele ungewöhnliche Nuancen hören. In der letzten Arie „Erblicke hier, betörter Mensch, erblicke deines Lebens Bild" kam zu der prachtvollen Stimme noch solcher Ausdruck hinzu - hier fast apokalyptischer Mahnung -, wie er nur ganz wenigen Sängern zu Gebote steht.