20. November 2007

Julia Hamari - Herzlichen Glückwunsch zum Geburtstag!

Julia Hamari wird am Mittwoch, den 21. November, 65 Jahre alt. Gerne erinnern wir uns an sie:

Meine erste Begegnung mit Karl Richter im April 1966
(aus unserem Interview vom 6. Juni 2004 in Stuttgart)



Es war für mich ein phantastisches Erlebnis. In Budapest habe ich 1965 den großen Franz-Liszt-Wettbewerb gewonnen, dabei war ich die jüngste Teilnehmerin. Nach diesem Wettbewerb wurde eine Schallplatte gemacht, die wahrscheinlich herumgeschickt wurde, und so ist diese Schallplatte auch in Wien angekommen. Es war gerade Festspielzeit. Und wenn ich mich gut erinnere, hatte Christa Ludwig abgesagt, und man hat mich gefragt. Als kleine, 22jährige, noch Schülerin, und von der Hochschule nur weg durch diesen Wettbewerb. Unglaublich aufgeputzt kam ich damals aus Ungarn an. Wir waren arm, es war eigentlich eine dunkle Zeit, aber nicht für mich. Für mich schien die Sonne durch die Musik und dadurch, dass ich dachte, man liebt mich und hilft mir.



Im Musikverein in Wien wurde ich dann Richter vorgestellt. Er kam in den Raum und ich stand da, absolut unbekannt, wirklich ein kleines Mädchen, nichts anderes. Und er stand vor mir und guckte mich so an mit seinen irre großen Augen. Ich wurde gelähmt, minutenlang gelähmt. Ich guckte diese zwei Augen an und dachte, ich kann keinen Ton singen. Und dann sagte er in seinem goldigen sächsischen Dialekt - ich versuche noch heute, es für meine Schüler nachzumachen -: „Na, kommen Sie, singen wir ein bisschen." Und dann hat er mich in ein großes Zimmer geführt und hat sofort die Erbarme dich Arie aus der Matthäus-Passion angefangen. Beinahe durchgespielt, und da habe ich erstmals gemerkt, er lebt gar nicht hier, er lebt in einer absolut anderen Welt. Das war mein erster Eindruck, dass er nur für die Musik lebte.



Und da habe ich mir gesagt, hier bin ich zu Hause. Die Musik war ja auch mein Leben. Warum bist du nervös, gib dich hin und lass dich begleiten. Und da habe ich die Erbarme-dich-Arie angefangen zu singen. Und plötzlich starrte er mich an, schaute er so richtig durch mich durch und forderte mich damit eigentlich heraus, noch schöner, noch besser zu singen. Dann sagte er: „Jung, aber schon eine Künstlerin. Genug." Und dann noch: „Es wird wunderbar."



Wenn ich darüber nachdenke, da war (beim sensationellen Debüt im April 1966 in Wien) Hermann Prey, da war Peter Schreier, auch eines seiner ersten Konzerte in Wien, Ernst Gerold Schramm - er war dann ein wunderbarer Freund von mir -, und es war das letzte Konzert mit Theresa Stich-Randall, eine ganz hochrangige Konzertsopranistin. Das war die erste Matthäus-Passion meines Lebens. Natürlich wollte das niemand glauben. So einen Anfang gibt es überhaupt gar nicht!

Ausschnitt aus dem Interview mit Julia Hamari auf YouTube
(zusammen mit Peter-Lukas Graf und Ernst Haefliger)
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