19. Juli 2005

Johannes Fink erinnert sich an Karl Richter

Johannes Fink
Viola da Gamba



geboren 12. August 1942
in Nürnberg

aus dem Interview:

...Zum Münchener Bach-Orchester bin ich gekommen wie die Jungfrau zum Kind. Ich bin im Mai 1964 in die Hochschule zum Unterricht und lauf mit meinem Cellokasten an der Pforte vorbei und aus der Pforte stürmt ein dicker großer, schwitzender Mann auf mich zu und fragt: „Haben Sie einen Frack? Haben Sie einen gültigen Reisepass, Sie sind engagiert.“ Dann habe ich ein bisschen gestutzt, und hab gefragt, worum es denn eigentlich ginge, und dieser Mensch hat mir dann gesagt, dass also in zwei Tagen eine Konzertreise des Münchener Bach-Chores und -Orchesters nach Italien stattfinden soll, und ein Cellist der Oper musste absagen, weil er von seinem Chef nicht frei bekommen hat. Und jetzt braucht er dringend unbedingt einen Cellisten.

Ich hatte keine Ahnung, worum es ging, bin dann zu meinem Celloprofessor gegangen, hab den gefragt, und der hat gesagt: „Unbedingt zusagen, unbedingt, ganz, ganz wichtig.“ Und dann bin ich wieder zu dem Herrn Klosa, das war der Hausmeister der Hochschule, und wie sich dann später herausgestellt hat, die rechte Hand von Karl Richter, und hab „ja“ gesagt. War dann in der Markuskirche am nächsten Tag zu zwei Proben und wieder am nächsten Tag saß ich mit Frack und Reisepass, denn das waren ja meine Qualifikationen, im Zug mit Bach-Chor und Bach-Orchester.

Es war eine unglaublich schöne Reise, 10 Tage lang, wir haben in Palermo angefangen, und sind dann rauf bis Turin. Ja, ich war da ein ganz, ganz junger Kerl, war Student, und hab mich unglaublich gefreut.

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