5. September 2005

Aurèle Nicolet erinnert sich an Karl Richter

Aurèle Nicolet
Flöte



geboren am 22.01.1926
in Neuchâtel, Schweiz

Aus dem Interview:

... Dann kam auch eine Tournee in Südamerika, auch mit Kammermusik. Wir wohnten im selben Hotel, an der Copacabana in Rio de Janeiro. Vor dem Konzert am Nachmittag ruft mich Karl Richter in meinem Zimmer an: „Was machst du, Aurèle?“ Ich sage: „Nichts Besonderes.“ „Komm zu mir“. Ich ging zu ihm, und er las eine Partitur, eine große Partitur. Er konnte damals sehr schlecht lesen. Er hatte eine Brille, sehr stark, dazu eine Lupe. Er las einen Satz aus der Missa Solemnis von Beethoven und er hatte das in zehn Minuten gelernt.

Karl Richter war engagiert, um eine Orgel einzuweihen, eine neue Orgel, die er gar nicht kannte. Ich habe ihn begleitet, und er guckt zuerst diese Orgel an, vier Manuale und so viele Register, er guckt, und dann fängt er an zu spielen. Und mit einer Sicherheit, genau die Entfernung zu den verschiedenen Registern zu finden. Manchmal hat er eine Taste von dem obersten Manual mit der Nase erwischt. Und ich dachte Oh, oh, oo! das ist genial.

Ich fragte Karl Richter: „Wie lange brauchst du, um eine Tabulatur zu kennen?“ „Halbe Stunde, dann ist es drin.“

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