25. Juli 2005

Julia Hamari erinnert sich an Karl Richter

Julia Hamari
Alt



geboren 21.11.1942
in Budapest, Ungarn

aus dem Interview:

... Eine dieser Kantaten liebe ich sehr. Es ist meine Lieblingskantate geworden, die BWV 33. Allein zu dir, Herr Jesu Christ mit der Arie Wie furchtsam wankten meine Schritte. Und wie ich das gesungen habe, habe ich plötzlich gedacht, um Gottes Willen, ich werde das nicht singen können. Richter hat ein auch für seine Verhältnisse langsames Tempo genommen. Es war unglaublich langsam, und ich wusste, ich mussdafür einen Atem nehmen, dass eigentlich meine Lunge platzt. Aber, ich hab es getan und ihn angestarrt dabei, ich musste es auswendig singen, sonst wäre es absolut unmöglich gewesen. Und dann guckten alle mich an, das Orchester applaudierte, Richter guckte mich an mit seinen scharfen Blicken, und ich habe mir gesagt, na, Julia, jetzt wirst du nach Hause geschickt. Ich bin hinauf, im Herkulessaal in die Studioräumegegangen, die Arme weit von mir gestreckt. Ich hatte die reinste Lungenerweiterung, von diesem Tempo.

Wir gehen also alle hinauf und plötzlich kommt Richter hinter mir und sagt: “War schön langsam, was?“ Da drehte ich mich um und fragte: „Wollten Sie das?“ „Natürlich nicht! Jetzt kriegen Sie das richtige Tempo und das wird gut.“ Und er hatte recht. Ich hab die Arie auf einen Atem gesungen, und das ohne Schnitte. Ich habe so gesungen, wie man es auf der Platte hört.

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