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30. Oktober 2010

Franz Kelch feiert ein seltenes Fest

Herzlichen Glückwunsch zum 95. Geburtstag



Franz Kelch am 23. August 2010 im Garten seines Hauses
(Foto: Gerhard Schwengler)

Der wichtigste Bass-Bariton Karl Richters in den 1950er Jahren, der von 1952 - 1957 in insgesamt 28 Aufführungen mitwirkte, begeht in erstaunlicher körperlicher und geistiger Frische am 1. November 2010 seinen 95. Geburtstag. Wir haben den bedeutenden Sänger in den vergangenen Monaten im Internet entsprechend gewürdigt. Hier die entsprechenden Links:

Wikipedia deutsch
Wikipedia englisch
Weblog-Eintrag vom Juni 2010
Ausführliche Vita
Discographie
Erinnerungen an Karl Richter - deutsch
Erinnerungen an Karl Richter - englisch
Franz Kelch im Interview auf Youtube
Der Bayerische Rundfunk ehrt Franz Kelch am Mittwoch, den 3. November 2010 um 14.03 Uhr, auf BR-Klassik. Hier das Programm der Sendung! Leider bringt der BR in dieser Stunde kein Musikbeispiel mit Karl Richter, obwohl es u.a. die h-moll-Messe von 1956 auf CD gibt. Diese Sendung „Cantabile“ um 14.03 Uhr ist auch  im Internet zu hören.

9. Juni 2010

Franz Kelch - Eine bedeutende Sängerpersönlichkeit

Vita, Discographie und Erinnerungen

Große Ereignisse werfen ihre Schatten voraus: In wenigen Monaten vollendet der Lied- und Oratoriensänger Franz Kelch sein 95. Lebensjahr. Conventus Musicus dokumentiert aus diesem Grund Leben und Schaffen dieser Sängerpersönlichkeit.



Franz Kelch im Jahr 1955

Bereits in der Kindheit zeichnete sich bei Franz Kelch der Hang zur Musik ab. Ein eindrucksvolles musikalisches Früherlebnis war der Besuch einer Parsifal-Aufführung im Bayreuther Festspielhaus im Alter von zehn Jahren. Als Siebzehnjähriger sang er bei den Meistersinger-Aufführungen im Chor auf der Festwiese. Aus nächster Nähe erlebte er die berühmtesten Sänger der Zeit – von dort stammten auch die ersten Impulse, Sänger zu werden....




Franz Kelch im Jahr 1958

Als Karl Richter Ende 1951 fluchtartig von Leipzig nach München kam, hatte sein Vorgänger, der bedeutende Organist und Chorleiter des Heinrich-Schütz-Kreises, Professor Michael Schneider, schon etliche große Bach-Konzerte veranstaltet. Richter fand den bereits von Schneider hervorragend geführten Chor vor, den er ab 1954 „Münchener Bach-Chor“ nannte. Alle Chormitglieder blieben bei der Übernahme durch Richter...  


Die handschriftlich formulierten "Erinnerungen" an Karl Richter in deutsch gibt es hier als PDF-Datei
Die handschriftlich formulierten "Erinnerungen" an Karl Richter in englisch gibt es hier als PDF-Datei



Franz Kelch an seinem 90. Geburtstag

...Richter stand eines Tages in Begleitung eines Fahrers (Heinz Geisel) an unserer Haustüre und hat die Frage gestellt, ob ich bei seinen Abendmusiken singen würde. Er könne aber bestenfalls DM 50,00 zahlen, wenn die Einnahmen das hergäben. Ich sagte mir, wenn Richter von der Thomasschule in Leipzig kommt, dann kann er nur gut sein. Also singe ich natürlich bei ihm und verzichte, wenn es sein muß, auf einen Lohn...


Franz Kelch im Interview am 1. Mai 2007

...Wir waren so gut aufeinander eingespielt, dass ich sogar einmal kurzerhand einsprang, um die bekannt schwierige Solo-Kantate BWV 82 „Ich habe genug“ ohne Orchesterprobe zu übernehmen. Der holländische Bassist Hermann Schey, ein damals etwa 65 Jahre alter, sehr geschätzter Konzertsänger, hatte erst am Nachmittag des Aufführungstages abgesagt. Richter rief mich um 18.30 Uhr, also 90 Minuten vor dem Konzert an: „Haben Sie diese Kantate schon einmal gesungen“? Ich sagte: „Gesungen nicht, aber ich kenne sie genau.“ „Können Sie für einen Kollegen einspringen?“ Wir vereinbarten eine Verständigungsprobe am Klavier im Pfarrsaal der Markuskirche, eine halbe Stunde vor der Aufführung, sprachen uns nur flüchtig über die Tempi und die Besonderheiten in den Rezitativen ab, Richter ist sofort auf meine Auffassung eingegangen – und die Aufführung gelang bestens...


Franz Kelch im Interview am 8. März 2009

Eine umfangreiche Discographie des Sängers mit Aufnahmen der Kantaten, Messen und Passionen J. S. Bachs sowie mit Werken von Händel, Mozart, Monteverdi, Brahms und Buxtehude haben wir hier als PDF-Datei zusammengestellt.


Franz Kelch begleitet sich immer noch selbst am Klavier

Drei Ausschnitte aus dem Interview vom 8. März 2009 können Sie im folgenden Videofilm sehen:



2. Januar 2010

Karl Richter - Zeitdokumente 22 (1954)

Nach einer längeren Pause wird die Reihe Karl Richter - Zeitdokumente in den kommenden Wochen und Monaten fortgesetzt.



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Nach der Sommerpause stand am 12. September zum zweiten Mal ein Bach-Kantaten-Abend an. Die Motette „Jesu, meine Freude“ wurde von den Kantaten „Jesu, der du meine Seele“ und „Lobe den Herren, den mächtigen König der Ehren“ eingerahmt.Auffallend ist, dass der neue Name des Chores häufig nicht korrekt wiedergegeben wurde, selbst auf den in eigener Verantwortung des Bach-Chores erstellten Plakaten und Programmzetteln.



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Im Münchner Merkur war zu diesem Konzert zu lesen.




Die monatliche Abendmusik am 24. September enthielt Chor- und Orgelwerke, die man bereits zum Repertoire zählen konnte, und die Karl Richter auch in späteren Jahren immer wieder aufs Programm setzte, wie auch die Brahms-Motette „Warum ist das Licht gegeben den Mühseligen“.



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Die dritte „Bach-Kantate“ des Jahres am 10. Oktober brachte die Kantaten „Ich habe genug“ und „Wachet, betet, seit bereit“, Karl Richter spielte zwischen den beiden Kantaten Präludium und Fuge D-Dur, ein hoch virtuoses Orgelwerk, das er nicht so oft in sein Programm aufnahm.



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Der vorgesehene Bassist für die Solokantate „Es ist genug“, Hermann Schey aus Amsterdam, den Richter in Ansbach kennengelernt hatte, war erkrankt, für ihn sprang kurzfristig Franz Kelch ein. Sehr lebhaft erinnert sich der 93jährige noch heute an den Anruf von Karl Richter um 18.30 Uhr, nur 90 Minuten vor Konzertbeginn in der Markuskirche.

"Wir waren so gut aufeinander eingespielt, dass ich sogar einmal kurzerhand einsprang, um die bekannt schwierige Solo-Kantate BWV 82 „Ich habe genug“ ohne Orchesterprobe zu übernehmen. Der holländische Bassist Hermann Schey, ein damals etwa 65 Jahre alter, sehr geschätzter Konzertsänger, hatte erst am Nachmittag des Aufführungstages abgesagt. Richter rief mich an, und wir vereinbarten eine Verständigungsprobe am Klavier im Pfarrsaal der Markuskirche, eine halbe Stunde vor der Aufführung, sprachen uns nur flüchtig über die Tempi und die Besonderheiten in den Rezitativen ab – und die Aufführung gelang bestens."

Auch die beiden Chorwerke der Abendmusik vom 22. Oktober zählten schon länger zum Repertoire das Bach-Chores, die Fest- und Gedenksprüche von Johannes Brahms und die Musikalischen Exequien von Heinrich Schütz.



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Alle Karl Richter-Zeitdokumente der Jahre 1951-1954 gibt es inzwischen auch auf DVD, erhältlich bei Conventus Musicus. Nähere Informationen finden Sie hier....

7. Oktober 2008

Neue CD mit Karl Richter - Nachtrag

Als Ergänzung zum Blogeintrag vom 08.09.2008 möchte ich zwei Dokumente anführen, die ich zur Aufführung von Bachs h-moll-Messe am 30. November 1958 in der Lukaskirche München in meinem Programm-Archiv gefunden habe. Eigentlich wäre das ja Sache des Herausgebers gewesen, und eine kurze Nachfrage hätte nicht geschadet.



Titelseite des Konzertprogramms mit allen Vokal- und Instrumentalsolisten

Kritik von Karl Heinz Ruppel in der SZ (5. Dezember 1956)

...müsste eine Veranstaltung wie die Münchener Bach-Tage davor bewahrt bleiben, nur eben als traditionell wiederkehrendes Ereignis im Ablauf des Konzertjahres zu figurieren. Hier im besonderen aber bleibt sie noch dank der mitreißenden Lebendigkeit, die ihr durch Karl Richters vitales Musikertum zuteil wird, vor jedem Abgleiten in bloße Traditionsroutine bewahrt. Ob es um den gesellschaftlichen Bach der Orchestersuiten oder den geistlichen der Kantaten, um den Hymniker und Mystiker der h-Moll-Messe oder den Kontrapunktiker der Orgelwerke geht, immer sind es die innersten Kräfte der Musik, die von Richter aufgerufen und in der tönend bewegten Form transparent gemacht werden.

Im Monumentalbau der Hohen Messe stehen die gewaltigen Chöre, vom Münchener Bach-Chor souverän und deklamatorisch ebenso präzis wie vielstufig im Dynamischen gemeistert, wie die mächtigen Pfeiler einer Sakralarchitektur da, um die sich die zierlichen und festlichen Ornamente der Instrumentalsoli mit dekorativer Pracht ranken.

Als Bach-Spieler hohen Ranges erwiesen sich dabei Heinz Endres (Violine), Walter Theurer (Flöte), Hans Brückner und Andreas Schwinn (Oboe d’amore) und Georg Donderer (Trompete); und wenn es in den Fundamenten donnert, weiß man, dass sie dennoch nie ins Wanken kommen, denn diesen Donner regiert rhythmisch und klanglich die Meisterhand Ludwig Porths an den Pauken.


In dem ausgezeichneten Soloquartett der Gesangspartien mit Antonia Fahberg, Gert Lutze und Franz Kelch führte Hertha Töpper; die hervorragende Altistin der Staatsoper ist in wenigen Jahren eine der besten und stilkundigsten Bach-Sängerinnen geworden, die wir heute haben.


Kritik von Ludwig Wismeyer im Münchner Merkur (5. Dezember 1965)

... Bachs Hohe Messe singt der Münchener Bach-Chor unter Karl Richter als ein heiliges Werk. München darf auf den hohen Stand seiner Bachpflege seinen internationalen Stolz haben: beste Leipziger Tradition bindet sich mit Richters ausdrucksstarker Inspiration in dem elastisch und maßvoll musizierenden Instrument des Chores. Die gesunde Mitte zwischen frommer Zurückhaltung und innerer Anteilnahme gibt die Kraft der Überzeugung und die Wirkung jenes Bach, der - in strengen Formen zwar - doch ein echter Musikant Gottes gewesen ist.

Da auch das Kammerorchester mit seinen stilsicheren Solisten und das ariose Gesangsquartett Antonia Fahberg, Hertha Töpper, Gert Lutze und Franz Kelch von gleicher Einheit waren, konnte Richter ganz der hohen Aufgabe dienen, die ihm, allen Mitwirkenden und den vielen Zuhörern in der Lukaskirche eine Aufführung der h-moll-Messe ist.

12. August 2008

Friedemann Winklhofer über Karl Richters Klangvorstellung an der Orgel

Karl Richters Vorstellung vom Orgelklang war immer sehr farbig, sowohl bei den solistischen Auftritten wie auch am Continuo. Das Continuo musste immer gut hörbar sein, er wollte die Orgel sehr deutlich haben, sie sollte in den Arien, aber vor allem in den großen Turba-Chören der Passionen und den Chorfugen der h-moll-Messe und der Kantaten präsent sein und dem Chor Farbe geben. Je größer die Orgel war, an der man Continuo spielte, umso mehr konnte man ihn mit einer farbigen Registrierung erfreuen. Bei kleineren Orgel-Positiven hat Richter den Klang oft selbst ausprobiert und einem seine Vorstellungen deutlich gemacht.



Friedemann Winklhofer im Jahre 1977

Da erinnere ich mich an meine erste h-moll-Messe in München, wo im Gegensatz zur romantischen Schaffhauser Orgel nur ein Positiv zur Verfügung stand. Immer wenn Richter mit meiner Klangvorstellung nicht ganz einverstanden war, kam er bei weiterlaufender Probe durch das Orchester zu mir ans Positiv und sagte mir, wie und in welcher Lage er diese Stelle gerne hätte. Das war für ihn schon etwas außergewöhnlich, denn der Orgelspieler war bei ihm, der ja selber ein großartiger Organist war, immer in der „Schusslinie". Meine Kolleginnen und Kollegen haben da schon manchmal einiges abbekommen. Bei mir war er erstaunlicherweise sehr hilfsbereit, was auch den Leuten vom Orchester aufgefallen ist.



Friedemann Winklhofer mit Leonard Bernstein bei der Probe in der Münchner Musikhochschule anlässlich des Gedenkkonzertes für Karl Richter am 3. Mai 1981


Ich habe Karl Richter oft an großen Orgeln wie im Herkulessaal oder in der Markuskirche gehört, und es war immer ein Erlebnis, ganz gleich wie das Konzert war. Sicherlich hatte er auch manchmal schlechte Abende und hat gelegentlich auch Stellen „in den Sand gesetzt". Es war aber immer - Rauskommen ist leicht, aber das Wieder-Reinkommen ist das Schwierige - faszinierend, wie er das überbrücken konnte. Wer die Stücke nicht genau kannte, hat meist gar nicht gemerkt, dass dann auch ein wenig Improvisation dabei war.

Richter hat ja alles auswendig gespielt, ob das die sechs Triosonaten waren, die großen Bach-Werke, oder Reger B-A-C-H, oder auch Liszt B-A-C-H. Es gab damals in Europa kaum Konzertorganisten, die alles auswendig gespielt haben. Für mich war das unglaublich mitreißend, mitzuerleben, wie Richter alles auswendig gespielt und selbst registriert hat, mit einer Selbstverständlichkeit, wie das sonst nur Konzertpianisten geboten haben.



Friedemann Winklhofer beim Interview am 1. August 2005 in der Johanniskirche Ansbach


Das vollständige Interview mit Friedemann Winklhofer (zusätzlich die Interviews mit Franz Kelch und Christian Kabitz) gibt es auf DVD zum Preis von Euro 19,00, zu bestellen nur bei Conventus Musicus per E-Mail.

Alle Interviews mit den Zeitzeugen (26 Vokal- und Instrumentalsolisten) sind auf 10 DVDs zum Preis von Euro 150,00 erhältlich, ebenfalls nur bei Conventus Musicus per E-Mail.

28. März 2008

Karl Richter in München - die kompletten Interviews mit den Zeitzeugen jetzt auf DVD

In der täglichen Besucherstatistik des Karl Richter-Weblogs fällt auf, dass viele unserer Besucher speziell nach den Namen von Zeitzeugen und deren Aussagen zu Karl Richter suchen. Immer wieder werden auch die kurzen Filmausschnitte auf YouTube.com angeklickt (bisher rund 16.000 Mal) und direkt beim Karl Richter Archiv bzw. bei mir angefragt, ob man die kompletten Interviews als Zeitdokumente für Liebhaber, Connaisseurs und die Musikwissenschaft erhalten könnte.

Ja, das können Sie jetzt, und Sie fördern damit gleichzeitig die weitere Arbeit des Karl Richter Archivs. Für Sie, die Freunde, Liebhaber, Connaisseurs und die Musikwissenschaft haben wir die kompletten Interviews von 26 Vokal- und Instrumentalsolisten

Kieth Engen † 48,0 min
Ernst Haefliger † 17,0 min

-> DVD I Gesamt: 65 Minuten


Ursula Buckel † 24,0 min
Karl-Christian Kohn † 20,0 min
Horst Laubenthal 14,0 min

-> DVD II Gesamt: 58 Minuten

Kurt Hausmann 21,0 min
Peter-Lukas Graf 16,0 min
Aurèle Nicolet 26,0 min

-> DVD III Gesamt: 63 Minuten


Julia Hamari 46,0 min
Anna Reynolds 22,5 min

-> DVD IV Gesamt: 68,5 Minuten


Edda Moser 33,5 min
Claes H. Ahnsjö 26,5 min

-> DVD V Gesamt: 60,0 Minuten

Siegmund Nimsgern 22,5 min
Kurt-Christian Stier 15,0 min
Hermann Baumann 26,5 min

-> DVD VI Gesamt: 59,0 Minuten


Hertha Töpper 46,0 min
Lotte Schädle 15,0 min
Antonia Fahberg 22,0 min

-> DVD VII Gesamt: 62,0 Minuten


Karl Heckel 37,0 min
Johannes Fink 29,0 min

-> DVD VIII Gesamt: 68,0 Minuten


Paul Meisen 47,0 min
Elmar Schloter 17,0 min

-> DVD IX Gesamt: 64,0 Minuten


Friedemann Winklhofer 24,0 min
Franz Kelch 14,0 min
Christian Kabitz 11,5 min
Gabi Weinfurter 13,0 min

-> DVD X Gesamt: 62,5 Minuten


nochmals überarbeitet, mit Untertiteln versehen und auf 10 DVDs von jeweils einer guten Stunde Spieldauer zusammengestellt.

Damit haben die Bewunderer des musikalischen Wirkens von Karl Richter, seines Münchener Bach-Chores und Bach-Orchesters sowie die Fachwelt alle Interviews der Buch- und Video-Dokumentation „Karl Richter in München - Zeitzeugen erinnern sich“ nun auch in Bild und Ton - in voller Länge - zur Verfügung.

Weitere Informationen (und/oder Bestellungen) bitte über eMail oder telefonisch unter 09321-9243986.

2. Oktober 2007

Film-Dokumentation: Karl Richter Trilogie Teil 3 (Fortsetzung)

In Kürze erscheint der dritte und letzte Teil der Karl Richter Film-Trilogie (ISBN 978-3-00-022647-2), mit dem Untertitel Faszination und Interpretation. Hier weitere Ausschnitte aus den Interviews der Zeitzeugen zu Richters Interpretationsansätzen. (Teil 2)

Abstände zwischen Rezitativ und Arie bzw. Chor (Choral)

Was ich besonders faszinierend bei Richter fand, das waren die Abstände zwischen Rezitativ und Arie. Die waren immer unterschiedlich. Es konnte sein: Herr, bin ichs, bin ichs, bin ichs, das heißt, dass man sitzen blieb. Und dann kam erst der Choral "Ich bins, ich sollte büßen". Oder es konnte sein, dass er unmittelbar anschloss. Und diese unterschiedlichen Pausen, die waren immer richtig. Ganz egal, ob eine lange Pause oder eine kurze Pause, die Beziehung war immer da und hatte immer eine bestimmte Bedeutung. Immer unterschiedlich, immer richtig.

What I found particularly fascinating about Richter was the intervals between Recitative and Aria or, as the case may be, Chorals. They were always varied. It could be "Herr bin ich’s bin ich’s, bin ich’s" so that you remained sitting . And then came the first Choral "Ich bin’s ich sollte büssen". Or it could be that he followed up immediately. And these varying intervals, they were always right. It didn’t matter if it was a long interval or a short one, correlation was always there and always had a special significance Always varied , always correct. (Paul Meisen)



Spontaneität des Continuo-Spiels

Was mich fasziniert hat, war seine Umspielung von den Rezitativen. Dass einer so die Dinge musikalisch charakterlich umspielen kann, das hatte ich bis dahin noch nie erlebt gehabt. Er hat Musik gemacht, wie andere gesprochen haben! Man hatte immer das Gefühl, er macht kein Konzept, sondern er spielt, wie ihm zu Mute ist, sofort aus der Faust, aus den Händen heraus.

What fascinated me was the way the music played around the recitative. That somebody could so characteristically let the music flow around everything, I had never experienced anything like it before. He made music the way others talked! One always had the feeling, that he followed no particular concept, but played, just as he felt , spontaneously, off the cuff. (Karl-Christian Kohn)

Als sehr kreativer und spontaner Musiker nützte er jede Gelegenheit, sich auch am Cembalo kreativ zu betätigen. Da gab es dann manchmal große Überraschungen. Ich spielte damals alles auswendig, und wenn dann seine Cembalo-Konzerte in einer Händel-Sonate plötzlich aufbrausten, da war ich natürlich irritiert, schon fasziniert, aber ich musste mich furchtbar konzentrieren, um dabei zu bleiben. Das war sehr spannend, aber nicht ganz einfach.

As a very creative and spontaneous musician he used every opportunity to play the cembalo. And then, sometimes surprises would happen. At that time I used to play everything off by heart, and when his Cembalo would suddenly flare up in the middle of a Haendel Sonata I was of course both irritated and fascinated, but I really had to concentrate to keep up with him. It was very exciting but never very easy. (Peter-Lukas Graf)



Franz Kelch

Niemand hatte bisher so wie Karl Richter die Cembalo-Begleitung der Rezitative improvisiert. Der letzte Akkord war noch nicht verklungen, die linke Hand lag noch auf der Tastatur, und mit der rechten Hand hat er schon den Einsatz gegeben. Das führte zu einer Konzentration des Musizierens, wie sie vor Richter noch niemand fertig gebracht hatte.

Up until then nobody had ever improvised the cembalo accompaniment for the recitative the way Karl Richter did. The last accord had hardly died away, when, with his left hand still resting on the keys, his right hand gave the signal to start. This led to a concentration, which up until Richter had been unknown in the music world. (Franz Kelch)



Ernst Haefliger

Wir haben uns sehr gut verstanden. Er hat ja am Cembalo jedes Mal anders gespielt, und ich konnte ihm gut folgen. Also bei mir gab es nicht nur Akkorde oder Dreiklänge. Ich habe immer geführt, ich habe immer bewusst geführt. Er hat den Bass im Continuo hervorragend herausgebracht, da hatten wir das gleiche Gefühl. Ich habe auch die Rezitative nicht nur gesprochen, sondern auf der Linie gesungen und die vom Text her wichtigen Punkte angestrebt. Aus dem hat sich dann die Interpretation herausgeschält.

We understood one another very well. Every time he played the Cembalo it was different. But I could always follow him very well. So with me it was not only chords or triads. I always took the lead, I always purposely took the lead. It was astounding the way he brought out the bass in continuo, there our feelings were the same. I not only spoke the recitative, but sang along the line, aiming at the most important points in the text, out of which the interpretation then materialised. (Ernst Haefliger)

4. Juni 2007

Karl Richter Zeitzeugen - Die vollständigen Interviews jetzt auch auf DVD

Vor gut drei Jahren haben wir das Projekt "Karl Richter - Zeitzeugen erinnern sich" mit den ersten beiden Interviews (Lotte Schädle am 5. Mai 2004 in Unterammergau und Hertha Töpper einen Tag später in München) gestartet. In Monat Mai dieses Jahres waren wir zum letzten Mal mit Kamera und Aufnahmegerät unterwegs, um die Zeitzeugen Ingrid Bücher, Franz Kelch und Christian Kabitz in Bild und Ton einzufangen.

Viele tausende von Kilometern reisten wir quer durch halb Europa, so nach Genf (Ursula Buckel), Wien (Ernst Haefliger), Freiburg i. Breisgau (Auréle Nicolet), Stuttgart (Julia Hamari) , Rheinbreitbach (Edda Moser), St. Ingbert (Siegmund Nimsgern), Dresden (Peter Schreier - allerdings erfolglos) und immer wieder nach München und Umgebung. Wir haben - gerne - viel Zeit und auch Geld investiert, um alle noch lebenden Zeitzeugen der Richter-Ära aufzuspüren und nach ihren Erinnerungen an diese Zeit befragen zu können.

36 der 40 Zeitzeugen sind mit ihren Erinnerungen in unserer Buch-Dokumentation Karl Richter in München - Zeitzeugen erinnern sich "verewigt". Kurze Ausschnitte mit Bild und Ton enthalten die Filme der Karl Richter-Trilogie. Es ist also an der Zeit, allen Interessierten die gesamten Interviews zugänglich zu machen. Wir wollen das jeweils in einem Paket mit drei DVDs von jeweils 60 - 70 Minuten Dauer bis Ende des Jahres fertigstellen. Die einzelnen Teile werden, wie in der Buch-Dokumentation, durch Zwischentitel getrennt.

Das erste Angebots-Paket enthält die folgenden Interviews:


DVD 1
Kieth Engen (Bass) und Ernst Häfliger (Tenor) - beide sind zwischenzeitlich verstorben.


DVD 2
Ursula Buckel (Sopran), Karl-Christian Kohn (Bass) - beide ebenfalls verstorben - und Horst Laubenthal (Tenor)


DVD 3
Kurt Hausmann (Oboe), Aurèle Nicolet (Flöte) und Peter-Lukas Graf (Flöte)

Der Paket-Preis für diese drei DVDs beträgt Euro 72,00 (einschl. MwSt. und Inlandsversandkosten), der Einzelpreis je DVD Euro 27,00 (einschl. MwSt. und Inlandsversandkosten).

Bestellungen bitte direkt per eMail an Conventus Musicus

2. Mai 2007

Die Arbeit an der Karl Richter Film-Trilogie (Teil 3) geht weiter

Gestern am 1. Mai waren wir in München, um zwei weitere Interviews für den dritten Teil der Film-Trilogie in Bild und Ton aufzunehmen.


Foto: Ingrid Bücher

Ingrid Bücher trat im Januar 1961 in den Münchener Bach-Chor ein, sang in all den Jahrzehnten unter Karl Richter, dann auch unter den Nachfolgern im Chor und war auf allen Konzertreisen dieser Zeit dabei. 1987 gründete sie zusammen mit Ihrem Mann Theo Bücher den Förderverein "Freunde des Münchener Bach-Chores e.V", für dessen Mitgliederbetreuung sie noch heute zuständig ist.


Foto: Franz Kelch

Vor einigen Wochen erhielten wir aus der Schweiz von Johannes Roessler (Institut für Kunstgeschichte der Universität Bern) die folgende Email:

"...Mit großem Interesse habe ich Ihren Blog zu den Zeitzeugen um Karl Richter gelesen. Mein Großvater, der Konzert- und Oratoriensänger Franz Kelch (geb. 1915) hat in den Münchner Anfangsjahren sehr oft für Karl Richter als Solist (Bass/Bariton) gesungen, u. a. mit Hertha Töpper, Antonia Fahberg und Ernst Häfliger. Soweit ich dies einschätzen kann, wäre er sicher bereit, über diese Zeit zu berichten."

Selbstverständlich haben wir gerne und sofort den Kontakt zu Franz Kelch aufgenommen und am gestrigen 1. Mai ein kleines Interview mit ihm aufgenommen, in dem er über sein erstes Zusammentreffen mit Karl Richter sprach, die Wirkung und Faszination des jungen neuen Kantors der Markuskirche auf die Musiker wie auf das Publikum skizzierte und von Richters Probenarbeit sowie den für diese Zeit gänzlich neuen Interpretationsansätzen erzählte.

Wir haben uns sehr gefreut, mit Franz Kelch - trotz seiner 91 Jahre - den allerersten Bassisten Richters in der h-moll-Messe und den beiden Passionen für den dritten Teil der Film-Trilogie gewinnen zu können, und waren erstaunt, mit welcher geistigen Frische und präzisem Erinnerungsvermögen er von seiner Zusammenarbeit mit Richter in den Jahren 1952 - 1958 sprach.

Link Franz Kelch:
Würdigung in Deutsch anlässlich seinen 90. Geburtstags - auf pasinger.de

English Bio: Bach-Cantatas.com
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