3. Oktober 2012

Hermann Baumann erinnert sich an Karl Richter

Zeitzeugen der Ära Karl Richter im Interview

Hermann Baumann auf Wikipedia (deutsch)
Hermann Baumann auf Wikipedia (englisch)
Hermann Baumann auf Hornsociety (englisch)



Hermann Baumann über seinen ersten Kontakt zu Karl Richter

... Dass ich nun zu Karl Richter stieß, verdanke ich Maurice André. Maurice André hat zu Richter gesagt: "Alles in Ihrem Ensemble passt sehr gut, der Chor, das Orchester, der Bach-Chor ist phantastisch, aber nicht das Horn." Und daraufhin bin ich engagiert worden uind habe als erstes eine Tournée gemacht nach Italien und in die Schweiz. Auf dieser Reise hatte ich mein Debut. Wir fuhren mit dem Zug, da habe ich schon immer bemerkt: Alle sind ja verrückt nach Karl Richter. Überall hörte man: Wo ist denn der Richter, sitzt er hinten, sitzt er vorne? Da dachte ich, das muss ja ein toller Mann sein, der Karl Richter!

Dann war die erste Probe (in Parma), er wollte mich natürlich einmal hören. Ich sollte also meine Arie (Quoniam) blasen. Ich bin aufgestanden und habe losgeblasen, als Solist natürlich. Am Ende war kurze Stille, ich sagte: "Wollen Sie, dass ich etwas anders mache?" "Nein, nein!" Und er hat so gelacht, und das ganze Orchester und der ganze Chor haben so gelacht. So etwas hatten sie noch nicht gehört, so völlig anders. Aber es war faszinierend, und somit war ich in den nächsten 15 Jahren immer wieder dabei mit Karl Richter.

Hermann Baumann über Karl Richters Ausstrahlung

Für mich waren diese 15 Jahre eine ganz besonders schöne Zeit, immer von Essen nach München zu kommen und mit ihm musizieren zu dürfen, h-moll-Messe, Weihnachts-Oratorium, Kantaten u.a. ... Vielleicht kann man es gar nicht in Worte fassen, das kann man nicht, aber man weiß bis hin zu Karajan: Alle fanden es unglaublich, wie jemand sich vor einen Chor und ein Orchester stellt und eine solche Musik macht, dass die Leute über Hunderte von Kilometern anreisen, um das zu hören. Ich weiß, dass viele Leute eigens von Köln gekommen sind, um eine h-moll-Messe oder ein Weihnachtsoratorium zu hören. Man kann es nicht in Worte fassen. Erfassen konnte man es nur, wenn man unter den Zuhörern saß. Auch im Fernsehen ist es nur ein Teil. Darin bin ich mit ihm etwas verwandt. Das Beste bringe ich vor Publikum! Und so war es auch bei ihm. Der Kongreßsaal des Deutschen Museums war mit 2600 Zuhörern immer voll besetzt, dazu noch 300 Stehplätze, es war phantastisch.



Wenn Karl Richter die h-moll-Messe angefangen hat, das war so unglaublich. Nach diesen zehn Minuten des Eingangschores war man schon erschlagen, man ist erzittert. Das müsste man heute wieder einmal hören. Es gibt nur sehr, sehr wenige Dirigenten, die dieses Empfinden bei mir wieder hervorgerufen haben. Es ist wirklich so!



Ich bin als Sänger vor Karl Richter gestanden. So fühlte ich mich auch, ich war immer ein Sänger. Er hat mich auch immer ganz vorne stehen lassen. Das Blasen war für mich wie ein Singen, und deswegen fühlte ich auch so mit meinen Sangesfreunden. Ich kann keinen hervorheben, sie haben alle phantastisch gesungen, vor allem auch die drei (Kieth Engen, Ernst-Gerold Schramm und Hermann Prey), die nicht mehr unter uns sind. Es war ein Geben und Nehmen, wir waren immer ein Team, was Besseres konnte ich mir nicht wünschen.



Hermann Baumann mit Hermann Prey und Karl Richter während der "Quoniam"-Arie in der Fernsehaufzeichnung von Bachs h-moll-Messe in der Klosterkirche Dießen am Ammersee

Wenn wir dann in der h-moll-Messe Pause hatten, kam Richter zu mir. Er war bei mir immer sehr gesprächig und hat sich gerne unterhalten. Nach der Pause habe ich im Bach-Chor mitgesungen, zuerst im Tenor, später dann im Bass, wenn mich das Spielen etwas angestrengt und ich die leichte Höhe nicht mehr hatte. Es hat mich vor allem interessiert, mitzusingen, ihn dabei anzuschauen. Die vier Minuten Quoniam waren zu wenig!



Hermann Baumann im Gespräch mit Hermann Prey und Karl Richter




Hermann Baumann beim Interview zur Karl-Richter Dokumentation am 27. August 2005

Das ganze Interview in deutsch auf PDF
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