27. Mai 2010

Dietrich Fischer-Dieskau zum 85. Geburtstag

Herzlichen Glückwunsch!

Am 28. Mai 2010 feiert Dietrich Fischer-Dieskau seinen 85. Geburtstag. Anstelle einer Laudatio, die in diesen Tagen allüberall zu lesen sein wird, möchte ich hier die Fotos aus dem Karl Richter-Archiv zusammenstellen, die den Künstler in der Zusammenarbeit mit Karl Richter zeigen. Im Anschluss daran soll Dietrich Fischer-Dieskau selbst zu Wort kommen.




Dietrich Fischer-Dieskau bei der Bachwoche Ansbach 1956



Dietrich Fischer-Dieskau schreibt den Bach-Choristen Autogramme (Bachwoche Ansbach 1956)



Dietrich Fischer-Dieskau im Gespräch mit Karl Richter (Bachwoche Ansbach 1956)



Dietrich Fischer-Dieskau, Friederike Sailer, Sieglinde Wagner, Karl Richter und Werner Egk beim Konzert mit Weltlichen Kantaten Bachs am 1. August 1956 in der Orangerie im Schlosspark Ansbach



Otto Büchner, Dietrich Fischer-Dieskau und Karl Richter bei der Bachwoche Ansbach 1957



Dietrich Fischer-Dieskau bei der Schallplattenaufnahme von Orfeo ed Euridice von C.W.Gluck im August 1967 im Herkulessaal der Münchner Residenz



Dietrich Fischer-Dieskau singt die Titelpartie.



Dietrich Fischer-Dieskau beim Münchener Bach-Fest 1969



Dietrich Fischer-Dieskau beim Münchener Bach-Fest 1969



Dietrich Fischer-Dieskau beim Münchener Bach-Fest 1969 (Probe zur Kreuzstabkantate)



Dietrich Fischer-Dieskau in Baden-Baden (Brahms-Requiem am 14. November 1970)



Dietrich Fischer-Dieskau, Karl Richter und Kurt Guntner bei Schallplattenaufnahmen von Bach-Kantaten im Juni 1971



Dietrich Fischer-Dieskau bei der Probe zum Brahms-Requiem am 17. Januar 1977 im Deutschen Museum München



Dieses Foto aus den 1980er Jahren hat uns Dietrich Fischer-Dieskau für die Buch-Dokumentation zur Verfügung gestellt.



Auch dieses Foto aus dem Jahr 2005 hat uns Dietrich Fischer-Dieskau für die Buch-Dokumentation zur Verfügung gestellt.


Dietrich Fischer-Dieskau über seine Zusammenarbeit mit Karl Richter
(aus Dietrich Fischer-Dieskaus Beitrag zur Buch-Dokumentation Karl Richter in München - Zeitzeugen erinnern sich") 

...Unglaublich aber immer wieder die Gedächtnisleistung: Ihm war das gesamte Tastenwerk wie alles, was Bach der menschlichen Stimme anvertraut hat, im Kopf und sofort verfügbar. Oft war er bis zum Konzertbeginn nicht völlig sicher, was auf dem Programmzettel stand. Und im Grunde konnte erst auf dem Weg über seine Interpretationen auf der Orgel oder dem Cembalo wirklich ermessen werden, wie seine Bach-Auffassung sich von Jahr zu Jahr rundete: von äußerster Strenge und Sachlichkeit ausgehend, wuchs er zum Ausdruck jener glutvollen Frömmigkeit, die ihn beseelte.

...Wenig kümmerte sich Richter um musikwissenschaftliche Revolutionen, um die jüngere Bach-Forschung. Er ließ sein Bach-Orchester auf modernen Instrumenten spielen und richtete sein ganzes Bemühen daran aus, eine Intensität zu vermitteln, die eine seiner spezifischen Qualitäten ausmachte. Während der Aufführungen enthusiasmierte er Ausführende wie Hörende, und nie konnten die genau Einstudierten sicher sein, ob sie nicht geheimnisvoll in ganz andere Ausdruckssphären und damit andere Tempi und Lautstärken geführt wurden, nicht wissend, wie ihnen geschah. Kein bequemer Künstler war er, folglich auch kein bequemer Mensch. So hat er nicht bloß Anstöße gegeben, sondern auch Anstoß erregt. Wer wie er sein ganzes Leben einsetzt, ohne Rücksicht auf das Herz oder die immer gefährdeten Augen, der kann auch unduldsam bis zur Härte werden, wenn es um das Werk, die Leistung - und nicht zuletzt ums Ansehen ging. 


...Bei der Erwähnung nur des geringsten musikalischen Details leuchteten seine Augen auf, und sein Interesse war geweckt. Und keiner wird den Ausdruck erfüllter Hingabe vergessen, den die von ihm interpretierte Musik auf sein Gesicht zauberte, auch noch lange nach der Aufführung.

...Er hat das Leben aller, die Musik lieben, reicher gemacht. Und er wäre noch zu damals nur geahnten symphonischen Ufern aufgebrochen. Meine letzte Begegnung mit ihm bei einem Deutschen Requiem von Brahms in München 1977 ließ den großen Atem und die Ausdruckstiefe spüren, die er als Dirigent verwirklichen konnte. Auf dem Gebiet der Oper - ich durfte Händels Cesare und Glucks Orfeo mit ihm musizieren - bewährte sich außer seiner improvisatorischen Spannkraft eben jener Umgang der menschlichen Stimme, den ihm das große, aber durch ihn selbst als beendet erklärte Kantaten-Projekt auf der Schallplatte beschert hatte.

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