9. November 2008

Karl Richter über BACH-INTERPRETATION



In der Hörfunkreihe des Bayerischen Rundfunks "Musik und ihre Interpreten" von und mit Egloff Schwaiger (1964) sagte Karl Richter u. a.:

...Der Zuhörer soll nie den Eindruck haben, dass man willkürlich in das musikalische Geschehen eingreift. Das ist das Problem der Bach-Interpretation. Heute bemühe ich mich darum, so wenig wie möglich zu machen. Ich halte es aber für richtig, wenn die jungen Musiker, auch bei Bach, ihre Phantasie spielen lassen. Sie sollen ruhig alles mögliche ausprobieren und aus ihren Erfahrungen und Fehlern lernen. Es ist gefährlich, junge Instrumentalisten dazu anzuhalten, auf breite Flächen zu spielen, wenn sie den Atem dazu noch nicht haben. Der ergibt sich erst dann, wenn man viele Jahre an einem Stück gearbeitet hat.

Dieser Atem gilt auch für das Tempo. Man sagt immer, ein Satz darf nur ein Tempo haben. Das ist gewiss wahr. Aber es dauert lange, bis man es findet. Ein Tempo muß in Herz und Geist sitzen. Es ist ein Irrtum, zu glauben, man könne wie eine Maschine ein Tempo metronomgerecht vom ersten bis zum letzten Takt halten. So einfach ist das nicht...




TIPP: Buch- und Filmdokumentationen zu Karl Richter (deutsch und englisch)
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