18. August 2008

Christian Kabitz über Karl Richters Bedeutung damals und heute



Christian Kabitz hat seit 1979 die Stelle als Kirchenmusikdirektor an St. Johannis zu Würzburg inne.

An der Beckerath-Orgel in St. Johannis zu Würzburg gab Karl Richter in den 1960er und 70er Jahren mehrmals Orgelkonzerte. Günter Jena, Richters Assistent in München, hatte 1961 die neue Kantorenstelle übernommen, nach dem Vorbild seines Lehrers den Bachchor Würzburg samt Bachorchester gegründet sowie 1968 die Würzburger Bachtage ins Leben gerufen.



Als ich mit Karl Richter aufgewachsen bin, hatten Nicolaus Harnoncourt und Helmuth Rilling schon kräftig Musik gemacht. Und trotzdem war jede neue Schallplatte von Richter eine Offenbarung. Ich kannte natürlich die Stücke von der Partitur her, hatte sie schon gehört oder sogar selbst dirigiert, aber wenn Karl Richter kam, sagte man: „Stimmt, so muß es sein!"
Es war immer ein ganz ehrfurchtsvoller Moment, wenn Karl Richter in der Kantine saß oder durch die Gänge ging auf der Suche nach einem Schüler. Für mich war er die größte Respektsperson.

Karl Richter hatte die Fähigkeit, urplötzlich das Herz zu berühren. Man spürte, dass seine Interpretation noch ein wenig mehr Wahrheit in der Musik entdeckt und die Text-Musik-Beziehung unmittelbar in das eigene Seelenleben transportiert hat.

Wenn man von Karl Richter so begeistert ist, möchte man natürlich auch beim eigenen Musizieren dem Vorbild möglichst nahe kommen. Und das verleiht einem die Kraft, mit einem Orchester auf diese Klangvorstellung hin zu arbeiten.



Die Bedeutung Karl Richters in der heutigen Musiklandschaft beruht auch darauf, dass er ein unglaublicher Wegbereiter für Bach war. Ein Rilling oder auch ein Harnoncourt hätten es ohne den „Antipoden" Richter nicht so weit gebracht.

Wenn man wie Karl Richter mit einem solchen Ruhm noch heute präsent ist, ist das ein Zeichen, welch ein riesiges Ereignis er in unserem Musikleben war.


Das vollständige Interview mit Christian Kabitz (zusätzlich die Interviews mit Franz Kelch und Friedemann Winklhofer) gibt es auf DVD zum Preis von Euro 19,00, zu bestellen nur bei Conventus Musicus per E-Mail.

Alle Interviews mit den Zeitzeugen (26 Vokal- und Instrumentalsolisten) sind auf 10 DVDs zum Preis von Euro 150,00 erhältlich, ebenfalls nur bei Conventus Musicus per E-Mail.

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