16. März 2008

Vor 40 Jahren: Bachs Johannes-Passion im Kongresssaal des Deutschen Museums

Am Samstag, den 16. März 1968, dem Tag vor dem Sonntag Okuli, gelangte Bachs Johannes-Passion im Kongresssaal des Deutschen Museums München zur Aufführung.

Die Solisten waren Lotte Schädle, Hertha Töpper, John van Kesteren, Kieth Engen sowie Peter Pears als Evangelist und Ernst-Gerold Schramm als Christus. Der Münchener Bach-Chor und das Bach-Orchester musizierten unter der Leitung von Karl Richter.



Peter Pears und Aurèle Nicolet

Karl Schumann schrieb damals in seiner Kritik in der Süddeutschen Zeitung:

"Unser gutorganisierter Kunstbetrieb kann doch nicht verhindern, dass sich noch Konzerte begeben, die wahrhaft mit Kunst zu tun haben. Die Abende mit Karl Richter tragen stets das Stigma des Künstlerischen und damit des Außergewöhnlichen ..."

"Peter Pears, mit sonorer, baritonal getönter Tenorstimme, hat die nach wie vor beispiellose Intensität und Objektivität für die mystische Diktion des Johannesevangeliums. Der junge Ernst-Gerold Schramm singt die Christus-Partie mit abgeklärter Gelassenheit" ... "Kieth Engen malt den Pilatus wie auf einem gotischen Kreuzwegbild. Die Baß-Arien singt er in Überlebensgröße, das Arioso „Betrachte meine Seel“ im ätherischen Pianissimo ..."

"Der Bach-Chor, diesmal mehr auf geschmeidigen als auf herben, schneidenden Klang abgestellt, vollbrachte vokale Virtuosenstücke in den bizarren Fugati ..."

"Das Beispiel eines mitdenkenden und mitempfindenden Instrumentalensembles gab das Bach-Orchester. Karl Richter suggerierte jeden Einsatz und jeden Phrasierungsbogen. Nach Art der großen Pultimperatoren dirigierte er vornehmlich mit den Augen und der Taktstockspitze. Seit Knappertsbusch hat man eine solche ruhige Bestimmtheit des Dirigierens nicht mehr erlebt."
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