12. November 2006

Vor 40 Jahren: Judas Maccabäus im Kongreßsaal des Deutschen Museums

In unserer Serie Vor 40 Jahren erinnern wir uns heute an die eine glanzvolle Aufführung von Georg Friedrich Händels Oratorium Judas Maccabäus am 14. November 1966 im Kongreßsaal des Deutschen Museums München.

Die Titelrolle des Feldherrn war eigentlich Fritz Wunderlich zugedacht gewesen, doch Wunderlich war wenige Wochen zuvor am 17. September plötzlich und unerwartet gestorben. So sang an seiner Stelle Horst Wilhelm, auch einer der bewährten Richter-Protagonisten der 1960er Jahre. Die weiteren Solisten waren Lotte Schädle, Karl-Christian Kohn und an der Trompete Maurice André.

Karl Schumann schrieb in der Süddeutschen Zeitung unter der Überschrift 'Oratorium in Wehr und Waffen':

"Es war ein Abend des dirigentischen Glanz und Gloria. Am Pult des Museumssaals stand einer aus dem fast legendären Geschlecht der musikalischen Herrscherpersönlichkeiten und riß mit, was sich ihm willig unterwarf: Chor, Orchester, Solisten, Publikum und Partitur [...]

Karl Richters dramatischer Elan bewirkte so viele Nuancen des Con fuoco, solch plastischen, um nicht zu sagen drastischen Ausdruck der Instrumente und Chorstimmen und so viel schmerzliches Espressivo in den Bitt- und Klagegesängen, daß man sich gewissermaßen 'überfahren' fühlte und nicht mehr nach Details fragte. So dürfte es Händel gedacht haben: prächtig, einschüchternd, niederschmetternd [...]

Der Beifall schien die Mauern von Jericho einstürzen zu können. Die Siegesfeier für Karl Richter und die Seinen übertönte noch jene für den alttestamentarisch eingekleideten Britenherzog. Mit Recht! Alten Kämpfern begegnet man immer wieder, einem Auserwählten der Musik aber nur dann und wann [...]"
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